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Kaffeefarmer aus Honduras

7 Aug , 2017,
Daniela Schulz
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Was ist eigentlich ein Kaffeeland? Für mich war das lange Zeit Italien. Dort habe ich das erste Mal den perfekten Cappuccino mit meiner Mutter getrunken. Nie werde ich vergessen, wie es auf meiner Nach-Abireise auf Sizilien Frühstück mit Caffè Latte gab. Zugegebenermaßen, lange Zeit war mein Kaffeehorizont bis auf südlich der Alpen begrenzt – etwa bis Sizilien. Bestenfalls bis Nordafrika, wo ich in Tunis auch schon sehr leckeren Espresso getrunken habe. Tatsächlich stammt aber die Kaffeepflanze von noch weiter südlich.

„Kaffeegürtel“ nennen KaffeeexpertInnen die Zone , die nördlich und südlich des Äquators liegt. In dieser Zone gedeiht die Kaffeepflanze. Ihr Ursprung liegt in Äthiopien. Ein großes Kaffeeland im sprichwörtlichen Sinne ist mittlerweile aber auch Honduras. Denn das größte mittelamerikanische Land liegt mit seinen Lieferungen nach Deutschland auf Platz drei hinter Vietnam und Brasilien. Etwa 110.000 Familien sind dort in der Kaffeeproduktion tätig.

Kaffeefarmer von COMSA -Honduras Foto Daniela Schulz

COMSA-KaffeefarmerInnen in Hamburg

Kaffeeland Honduras

Viele honduranische Kaffeefarmen liegen in der Region La Paz bzw. um die Provinzhauptstadt Marcala herum. Kaffee aus Marcala ist sogar mittlerweile mit einer geschützten Herkunftsbezeichnung geadelt, weiß der Kaffeeatlas zu berichten. Und genau dort ist der Sitz der Kaffee-Aktiengesellschaft Café Organico Marcala S.A., kurz COMSA. Ich hatte das Glück einige Vertreterinnen und Vertreter der Kaffeefarmer-Organisation in Hamburg zu treffen, bei einer Kaffeeverkostung in der Rösterei Quijote.

Das erste, was mir bei den Kaffeefarmern aus Honduras auffiel, war ihre unkomplizierte Herzlichkeit. Ich hatte sofort das Gefühl, sie schon länger zu kennen. Das Zweite war ihre hohe Wertschätzung von Bildung und drittens das Verantwortungsbewusstsein sowie die Liebe und Fürsorge für die nachfolgenden Generationen. Das ist es auch, was den Kaffee-Anbau der über 600 Farmer und Farmerinnen von COMSA ausmacht: Nachhaltigkeit und die „Materia gris“, wie sie es auf Spanisch nennen. „Materia gris“ sind die kleinen grauen Zellen. Die Mitglieder von COMSA erweitern ständig ihr Wissen über den Kaffee-Anbau und sie machen sich sehr viel Gedanken, wie sie den Anbau schonend für Natur und Klima gestalten können. „Materia gris“ bedeutet auch, dass die Kaffee-Community für ihre Kinder eine eigene Schule mit modernen Unterrichtskonzepten errichtet hat, wie COMSA-Geschäftsführer Rodolfo Peñalba stolz erzählt.

Stete Schulung und Wissens-Austausch

Durch Schulung und stetigen Austausch mit Röstern wie Quijote und deren regelmäßigen Besuchen auf den Kaffeefarmen hat sich die Kaffeequalität der COMSA-Farmer wesentlich erhöht. Das Leben der Familien der Kaffeefarmer hat sich ebenso deutlich verbessert. Denn für qualitätvollen Kaffee erzielen sie höhere Preise auf dem Weltmarkt.

Rösterin bei Kaffeefarmern

Stefanie Hesse bei Kaffeefarmern

Schon seit Anfang des Jahrtausends besteht ein Bündnis mit der Entwicklungsorganisation CEDECO aus Costa Rica.  Alle Mitglieder und MitarbeiterInnen von COMSA werden seitdem für die Entwicklung integraler organischer Pflanzungen geschult. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einbeziehung der Familie und die Stärkung der Frauen.  So sind von den 614 registrierten Mitgliedern der COMSA mehr als ein Viertel Frauen. Viele von ihnen sind in der Organisation Women in Coffee aktiv. So auch Miriam Elizabeth Pérez. Die Agrar-Ingenieurin betreibt  biodynamische Landwirtschaft auf ihrer Farm und ihr Kaffee zählt zu den Spitzenkaffees.

Die neue Kaffeekultur wird oft mit der von edlen Weinen verglichen. Beide Produkte stammen in ihren Spitzenqualitäten aus begünstigten Lagen und gehen zur Verarbeitung durch die Hände geschulter Spezialisten. Kleinere Farmen haben die Chance, damit ihre Existenzgrundlage zu konsolidieren, denn für besonders hohe Qualitäten erzielen sie entsprechend höhere Preise.

Kaffeepflanzen in Honduras

Schattenlage auf Kaffeefarm in Honduras

Qualität beginnt bereits beim Anbau. Kaffee ist eine Pflanze, die in Schattenlagen ihren Ursprung hat. Pralle Sonne tut ihr nicht gut. Deshalb wird sie bei den COMSA-Kaffeefarmern auch im Schatten angepflanzt. Es geht weiter über die handverlesene Ernte der Kaffeekirschen bis hin zur Verarbeitung zum Rohkaffee. Hier ist die Art der Trocknung wesentlich für das Qualitäts- und natürlich auch das Geschmacksergebnis. In einem meiner nächsten Blogbeiträge erkläre ich die Unterschiede zwischen den Verfahren „washed“, „natural“ und „honey“. Alle drei Trocknungsverfahren kommen bei den COMSA-Kaffeefarmern zum Einsatz.

Bei der Verkostung der neuen Ernte schmeckte mir das Ergebnis der „Honey“-Methode am besten. Aber das muss jede/r für sich selbst herausfinden. So, und nach diesem Cupping habe ich nun auch Honduras auf meiner Kaffee-Landkarte.

Per Container nach Hamburg

Eichhörnchen-Logo-von-COMSA

Logo von COMSA

Mittlerweile sind drei Container von der neuen Ernte aus Honduras im Hamburger Hafen angekommen. Von dort aus geht es direkt zur Rösterei in Hamburg-Rothenburgsort. Den Kaffee von COMSA gibt es übrigens bei Quijote als Blend für Filterkaffee und Espresso-Zubereitung.

Aber auch andere Röster, wie die Hamburger Nord Coast Coffee Roastery und die Tegernseer Kaffeerösterei und weitere haben Kaffee von COMSA im Verkauf. Wohl bekomm’s.

 

Titelbild: Fotograf – Andreas van Heyden