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Kaffeesatz lesen

25 Jan , 2016,
Daniela Schulz

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Der Januar liegt bereits im Endspurt, aber noch ist Zeit genug, um das Thema Jahreshoroskop angzugehen. Was liegt näher bei einem Kaffeeblog als das altbekannte Kaffeesatz lesen?

Am besten geht Kaffeesatz lesen mit einer Tasse traditionell zubereitetem Mokka. Die Türken – und auch Griechen – kochen das Kaffeepulver mit Zucker in einem langstieligen Topf auf, der Ibrik genannt wird. Danach kommt das Gebräu ungesiebt in die kleine Mokkatasse. Nun schnell austrinken. Am Tassenboden hat sich das Kaffeepulver abgesetzt. Da sind allerdings noch keine Strukturen zu erkennen, deshalb Mokkatasse umstürzen auf die Untertasse. Erst durch das Umstürzen entstehen die Formen, aus denen angeblich die Zunkunft des Kaffeetrinkers sichtbar wird.

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Glücksschwein im Kaffeesatz

Nun hat man die Wahl, ob man den Kaffeesatz auf der Untertasse oder den in der Mokkatasse verbliebenen Kaffeesatz interpetiert, also liest. Ich habe mich beim Selbstversuch für beide Methoden entschieden. Am Boden meiner Mokkatasse ist ein Herz zu erkennen. Das sieht gut aus. Also beste Aussichten für das Gefühlsleben 2016. Auf der Untertasse gleicht die Form einem Tier. Ein Hund oder vielleicht ein kleines Schweinchen. Ich entscheide mich für das Glücksschwein. Also Liebe und Glück fürs Jahr 2016. Gibt es ein besseres Horoskop?

Der Brauch des Kaffesatzlesens stammt ursprünglich – genauso wie der Kaffee – aus dem Nahen Osten. Über Ägypten kam die Tradition in die Türkei. In den Cafés in Istanbul sieht man ab und zu Leute jeden Alters, wie sie ihre leeren Mokkatassen umdrehen, um in den Kaffeeresten Muster oder sogar Figuren zu erkennen. Von der Tasse tropfender Kaffee kann etwa als Tränen gedeutet werden. Es mag dahingestellt sein, ob Freudentränen oder Tränen aus Trauer.

Für viele ist das Kaffeesatzlesen ein Grund, sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Wegen der Vielfalt der Kaffeesatzformen wird der Gesprächsstoff nie ausgehen. Vielleicht sollten wir in hiesigen Kaffees auch mehr Mokka trinken, um in die Zukunft blicken zu können. Zumindest für anregende Unterhaltung wäre dann gesorgt. Probiert es einfach mal aus!

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Katzenkaffee Kopi Luwak

12 Aug , 2015,
Daniela Schulz
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Immer wieder wurde ich gefragt, wann ich endlich einen Artikel über den berühmten Kopi Luwak, vulgo Katzenkaffee, schreibe. Lange habe ich gezögert, weil ich fürchtete, die Thematik würde einen Blogpost sprengen.

Nun zu den Fakten: Dieser Kaffee ist nichts für Veganer und nur begrenzt etwas für Tierfreunde. Kopi steht in Indonesien für Kaffee. Der Luwak ist trotz seines kuscheligen Fells keine Katze, sondern ein Fleckenmusang, ein affenähnliches Tier, das gerne für sich bleibt und sich abwechslungsreich ernährt. Daher der Name Kopi Luwak. Seitdem man mit seinen Exkrementen, in denen sich Kaffeebohnen befinden, sehr viel Geld machen kann, ist es um seinen ursprünglichen Lebensstil geschehen. Geldgierige Menschen sperren das scheue Tier in enge Käfige mit anderen Artgenossen. Der Luwak, der eine abwechslungsreiche Diät aus  Früchten, Insekten, Würmern und Vogeleiern liebt, wird in der Gefangenschaft mit Kaffeekirschen gemästet.Keine geeignete Nahrung für einen Allesfresser. In den Kirschen befinden sich die späteren Kaffeebohnen, sie werden nach dem Verdauungsprozess augeschieden. Man nennt das dann natürliche Fermentierung.

hauskaninchen

Hauskaninchen Nicky und Pascal

Als wir unsere Zwergkaninchen Nicky und Pascal aus dem Tierheim holten, wurde uns von den Mitarbeitern eingeschärft, sie ja nicht einseitig zu ernähren und ihnen genug Platz zu lassen. Man stelle sich vor, ich würde Nicky und Pascal ausschließlich mit Kaffeekirschen mästen. Sie würden es nicht lange überleben und die Tierschützer würden mir obendrein die Höllei heiß machen und mir die Polizei ins Haus schicken.

Nun leben die Luwaks nicht in Deutschland, sondern in Indonesien. Das ist weit genug weg, um nicht allzu genau hinzuschauen. Der größte Teil des gehandelten Kopi Luwak stammt von von Tieren aus Gefangenschaft, sprich Massentierhaltung. Manchmal sind es mittlerweile auch keine Luwaks mehr, sondern das Fachmagazin Crema schreibt, dass auch Schweine manchmal in den zweifelhaften Genuss der Kaffeekirschen kommen.

Wie kam es überhaupt zu dem Hype um den Kopi Luwak? Luwaks scheinen tatsächlich auf den Geschmack der reifen Kaffeefrüchte gekommen zu sein. Ähnlich wie die Ziegen in Afrika. Zur Erntezeit räuberten sie in den Kaffeefeldern und die Kaffeebauern fanden einen Teil der geraubten Ernte im Urwald wieder, wo die Luwaks ihre Ausscheidungen hinterließen.

„Gesäubert und gewaschen bekamen die durch den Tierdarm vorfermentierten Kaffeebohnen einen einzigartigen und hochgelobten Geschmack. Weil diese Bohnen ein Produkt aus der Wildnis waren und daher schwer zu ernten (…) war der Kopi Luwak zunächst keine Handelsware, sondern lediglich eine interessante Kaffeekuriosität“, schrieb der Kopi-Luwak-Entdecker Tony Wild in seinem Gastbeitrag für den britischen „The Guardian“. Wild nahm ein Kilogramm Rohkaffee mit nach Nordengland und erzählte einigen regionalen Medien in Yorkshire von der Kaffebesonderheit. Daraus entwickelte sich, so jedenfalls Wild, eine nicht mehr zu steuernde Woge des Interesses weltweit. Der „Katzenkaffee“ hat den Kaffeehändler Wild berühmt gemacht. Über den Guardian gab er vor zwei Jahren bekannt, dass er es war, der diese Welle anstieß und dass ihm das nun leid tue. Er möchte das Ganze am liebsten wieder stoppen.

Aber das Ganze ist nicht mehr zu stoppen. Bei einem Kilopreis von über 400 Euro sind die Gewinnmargen und damit die Gier einfach zu groß, als dass sich diese Tierquälerei einfach von heute auf morgen rückgängig machen ließe. Immerhin haben sich die europäischen und amerikanischen Spezialitätenkaffeeverbände SCAE und SCAA eindeutig gegen Kopi Luwak ausgesprochen und es laufen diverse Kampagnen gegen diese Art von Tierquälerei.

Zum Schluss noch etwas zum Geschmack. Aus Neugier und damaliger Unwissenheit habe auch ich schon mal einen Kopi Luwak im Café bestellt. Ich hatte kein besonderes Erweckungserlebnis hinsichtlich des Geschmacks. Wer guten Kaffee sucht, der hat genügend Auswahl und braucht keinen Kopi Luwak. Es sei denn er oder sie möchte sein/ihr dickes Konto herausstellen.

 

Foto: Rod Waddington from Kergunyah, Australia

Ziegen und Kaffee

22 Apr , 2015,
Daniela Schulz
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Nachtaktive Menschen bevorzugen bekanntlich Kaffee. Krankenpfleger, Krankenhausärztinnen, Lokführer, Gute-Laune-Moderatoren diverser Morning Shows kämen ohne Kaffee kaum über die Runden.

Zu verdanken haben diese Berufsgruppen und wir Kaffeeliebhaber das segensreiche Gebräu einigen nachtaktiven Tieren. So jedenfalls will es eine uralte Legende wissen. Ziegen im äthiopischen Hochland sollen die belebende Wirkung des Koffeins als erste entdeckt haben. Seltsame Vorstellung: Ohne eine Herde afrikanischer Ziegen gäbe es weder Kaffeebars noch cremigen Cappuccino!

Äthiopien – Urheimat des Kaffees

Stellen Sie sich einmal vor: Ein bewaldetes Hochplateau in Äthiopien. Nachts wird ein junger Ziegenhirte immer wieder vom Gemecker seiner Tiere aufgeschreckt. Die meisten Ziegen schlafen, aber einige werden nicht müde und springen immer wieder aufgekratzt umher. Der junge Ziegenhirt wird um seine Nachtruhe gebracht und beobachtet, wie die schlaflosen Ziegen immer wieder an den Zweigen eines kleinen Baumes naschen. Am nächsten Tag reisst der Junge einige Zweige von dem Strauch ab und bringt sie dem Abt des nahe gelegenen Klosters.

Der Junge berichtet ihm von den schlaflosen Ziegen. Schließlich wagt der Geistliche den Selbstversuch und kocht aus den Blättern eine Art Kaffeesud auf. Am Abend vor der Gebetsstunde trinkt er das Gebräu. Dieses Mal bleibt der Abt hellwach bis zum letzten Vers seines Gebets.

Der erste Röstkaffee aus dem Jemen

Die ersten schriftlichen Quellen über den Wachmacher aus Ostafrika stammen übrigens von arabischen Mönchen aus einem jemenitischen Kloster im 14. Jahrhundert. Sie waren schon einen Schritt weiter und bereiteten einen Aufguss aus den gerösteten Früchten des Kaffeebaums zu. Der Grund für den Kaffeedurst war damals schon, die Arbeitsstunden in den Abend auszudehnen.

Vom Jemen aus erreichte der Wundertrank Ägypten und schließlich das Osmanische Reich. Das Heer des Sultans war ebenfalls auf die Kraft der Kaffeebohne angewiesen. Als die Osmanen im 17. Jahrhundert lange und erfolglos Wien belagert hatten, ließen sie beim überstürzten Rückzug ließen mehrere Kaffeesäcke zurück. Angeblich hat ein österreichischer Spion namens Georg Franz Kolschitzky die Kaffeesäcke gefunden und das erste Wiener Kaffeehaus damit begründet. Seitdem gilt Kolschitzky  als Schutzpatron der Wiener Kaffeehäuser.

Foto: Rod Waddington (from Kergunyah, Australia); Lizenz: Creative Commons

Titel: Male Walia Ibex in the Fog, Simien Mountains, Ethopia