Schlagwort: Kaffeeausschank

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Caffè Sospeso

18 Dez , 2015,
Daniela Schulz
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Jedes Jahr kurz vor Weihnachten gibt es in Italien den „Tag des aufgeschobenen Kaffees“. Auf Italienisch: Caffè Sospeso. Das ist ein Kaffee, den man für einen Unbekannten ausgibt, der sich das Getränk nicht leisten kann. Auch in Deutschland gewinnt die italienische Tradition der Freigebigkeit immer mehr Anhänger.

In Hamburg-Wilhelmsburg stieß das erste Mal ich hierzulande darauf. Die Kaffeeklappe bietet auf der Speisekarte einen „wartenden Kaffee“ für einen Euro an. Das ist „eine Bowle Kaffee, die ihr für jemanden im Voraus kauft, der es sich sonst nicht leisten kann“.

Ob „wartend“ oder „aufgeschoben“, der Sospeso ist mittlerweile zu einer internationalen Bewegung des Teilens geworden. Vor knapp drei Jahren hat der Ire John Sweeney „Suspended Coffee“ gegründet. Auf der Website von Suspended Coffe können sich Cafés eintragen, die den aufgeschobenen Kaffee ermöglichen.

Aus Hamburg sind zurzeit dreizehn Cafés auf der Website des aufgeschobenen Kaffees eingetragen. Die Kaffeeklappe ist zwar nicht dort verzeichnet, aber bietet den Caffè Sospeso unabhängig davon an. In manchen kleineren Universitätsstädten, wie Marburg, Paderborn, Siegen oder Kiel, existieren regelrechte Aktivistengruppen der von Sweeney initiierten Bewegung. Auch in der Autostadt Wolfsburg gibt es bereits zehn Cafés, die den Sospeso anbieten. Möglicherweise ist die Beliebtheit des Caffè Sospeso hier auf den großen Anteil von Menschen mit italienischen Wurzeln zurückzuführen.

Das Herz der Sospeso-Tradition schlägt nämlich im Süden Italiens. Es war in Neapel, wo vor etwa 100 Jahren immer mehr Bürger für jemand anderen den Kaffee im Voraus bezahlten. Man wollte dabei mit seiner Großzügigkeit aber nicht protzen, sondern anonym und diskret bleiben. Die Gefühle des bedürftigen Empfängers dürfen nicht verletzt werden.

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Caffe sospeso

Nach jedem Sieg des Fußballklubs S.S.C. Napoli soll Aurelio di Laurentiis, Filmproduzent und Präsident des Klubs,jeweils zehn aufgeschobene Kaffees bezahlen. Di Laurentiis bringt es mit seinem Handeln auf den Punkt: Wenn man sich in Italien freut, möchte man, dass auch andere daran teilhaben können, denen es nicht so gut geht.

Weltweit nehmen sich immer mehr Menschen ein Vorbild an italienischer Großzügigkeit. Cafés von Kanada über Russland bis Australien bieten mit dem aufgeschobenen Kaffee ärmeren Menschen die Möglichkeit sich mit einem aufgeschobenen Kaffee aufzuwärmen. Dreizehn Cafés mit „wartendem Kaffee“ in einer Metropole wie Hamburg – da geht noch was. Erst recht zur Weihnachtszeit. Mein Tipp: Sprecht mal euer Stammcafé darauf an.

 


 

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Nord Coast Coffee Roastery

6 Nov , 2015,
Daniela Schulz
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Für die meisten Deutschen ist immer noch Italien das gelobte (Kaffee-)Land. Da hat sich seit Goethe nichts geändert: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“. Für die Kulturbeflissenen: „et ego in arcadia“. Auch ich hatte in bella Italia meine erstes grandioses, Cappuccino-Erlebnis. Kein Zufall, dass dieser Blog caffepause heißt – wie „il caffè“.

“But times they are a changing”, wusste schon Pop-Opa Bob Dylan und auch beim Kaffee gibt es keinen Stillstand. Seit einigen Jahren schwappt die nordische Methode oder „the nordic approach“ über die Ostsee und über den Atlantik zu uns herüber. Bekannter als Third Wave Coffee, die dritte Kaffeewelle. Diese Welle hat auch die alt-ehrwürdige Kaffeestadt Hamburg erreicht, wo die riesigen Kaffeecontainer aus Afrika, Asien und Lateinamerika ankommen und Europa mit dem schwarzen Getränk versorgen.

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Und hier kommt Paula Mendes ins Spiel. Aus einer brasilianischen Kaffeefamilie kam sie nach Hamburg. Als Kind genoss sie den Duft von frischem, perfekt geröstetem Kaffee auf der Farm ihres Großvaters. Sie hat sozusagen Kaffee im Blut. Nach intensiven Lehrjahren hat sie sich einen Traum erfüllt und mit ihrem Partner Jörn Gorzolla die Nord Coast Coffee Roastery eröffnet.

Bei Nord Coast ist der Name Programm. Schon auf den ersten Blick sagen dir die klaren, hellen Linien der Einrichtung, dass du es hier mit Leuten zu tun hast, die es schnörkellos skandinavisch lieben. Die Vielfalt kommt dennoch nicht zu kurz.kaffeebohnen-roh-und-geröstet-third-wave-coffee

Neben Espressobohnen stehen fünf Single Origins zur Auswahl. Das sind Kaffees, die jeweils aus einer einzigen Herkunftsregion stammen, sogar nur von einer bestimmten Plantage wie etwa der San Marcos Appaece aus Guatemala.

Ein bisschen ist es, der schnöde Vergleich sei erlaubt, wie bei Subways mit den Sandwiches. Nicht nur, dass man sich zwischen fünf Kaffees entscheiden muss, du hast auch die Auswahl zwischen fünf verschiedenen Brühmethoden. Nordischer Kaffeegenuss heißt, dass man handwerklich hervorragend gerösteten Kaffee kombiniert mit einer Brühmethode oder auch als Espresso in die Tasse bekommt.

Bei meiner Bestellung entscheide ich mich für den Handfilter. Die anderen Brühmethoden – Karlsbader Kanne, Aeropress oder Syphon – probiere ich bei einem meiner nächsten „caffepausen“ aus, nehme ich mir vor.

Der San Marcos Appaece, übrigens eine Empfehlung vom Barista, stellt sich als exzellente Wahl heraus. Richtig guten Kaffee trinke ich grundsätzlich ohne Milch, weil ich so die köstlichen Aromen besser schmecken kann. Ein Qualitätsbeweis ist es, wenn der Kaffee auch abgekühlt noch aromatisch und nicht säuerlich daher kommt. Dies war hier definitiv der Fall.

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Der San Marcos ist eine Röstung von Nord Coast und hat mich von deren Rösterfähigkeiten überzeugt. Im Norden röstet man allgemein heller, das heißt aber nicht dass der Kaffee weniger stark ist als die dunklen schokoladig-bitteren Espressoröstungen des Südens. Italienfans finden dies zumindest gewöhnungsbedürftig. Seitdem ich mich aber auf das Skandinavien-Experiment eingelassen habe, kann ich sagen, dass sich meine Qualitätsmaßstäbe „eingenordet“ haben.

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Espresso- und Cappuccino-Afficionados kommen bei Nord Coast aber ebenfalls auf ihre Kosten. Überzeugend fand ich folgende Bestellung eines Kunden, der nur Bohnen kaufen wollte: „Einen vollmundigen Espresso, nicht zu sauer, ich habe nämlich Probleme mit dem Magen.“ Der Vorteil bei Röstercafés wie dem Nord Coast ist übrigens auch, dass man den Kaffee probieren kann, bevor man sich sein Viertelpfund für zuhause einpacken lässt.

 

Nord Coast Coffee Roastery, Hamburg, Deichstraße 9,  Tel. +49 40 360 934 99, Öffentliche Verkehrsmittel: U 3  Rödingsmarkt

Öffnungszeiten: Mo.  9-18 Uhr, Di.  Ruhetag, Mi. – Fr. 9-18 Uhr, Sa. – So. 10 – 18 Uhr


 

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Espressobar Juwelier

22 Sep , 2015,
Daniela Schulz
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Freunde des italienischen Kaffees sind hier richtig. Die Espressobar „Juwelier“ bietet die Klassiker Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato handwerklich gut zubereitet und schmackhaft.

Ich gehe gerne in das kleine gemütliche Café zum Frühstücken. Es gibt herzhafte Vollkornsandwiches vegetarisch und vegan sowie mit Putenschinken. Aber auch Croissants und Kuchen sind im Angebot. Der Service ist freundlich und entspannt.  Der Laden ist wohl auch deshalb ein beliebter Treffpunkt der Nachbarschaft. Das Preis-Leistungsverhältnis ist trotz der Lage sehr in Ordnung.

Die Inhaberin Katja Dietrich hat die Espressobar 2000 in einem früheren Goldschmiedeladen in der damals von kleinen Handwerkern geprägten Weidenallee eröffnet.Die Einrichtung ist klassisch-nostalgisch gehalten mit einer prominent platzierten alten Waage und Lebensmittelregalen wie zu Großmutters Zeiten.

Mittags gibt es eine Speisekarte mit Kleinigkeiten. Man kann dort aber auch Pasta, Nudelsauce, Öl und Gewürze zum selber Kochen einkaufen.

Mitten im alternativ-bürgerlichen Eimsbüttel gelegen, befindet sich das Café nicht weit vom hippen Schanzenviertel. In die ehemaligen Ladengeschäfte der Handwerker sind in den letzten Jahren immer mehr alternativ-schicke Boutiquen für Mode, Geschenke und edlen Hausrat eingezogen.

Gleich neben dem Café, in Nummer 27,  befindet sich übrigens das Speiserestaurant „Juwelier“, das Katja Dietrich zusammen mit dem Koch Lutz Bornhöft leitet.

Adresse: Weidenallee 29, Hamburg-Eimsbüttel, Tel. 040 / 431 900 73

Öffentliche Verkehrsmittel: U 2 bis Christuskirche oder Schlump, Bus M 15 bis Sternschanze

 


 

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Kaffeeklappe

17 Sep , 2015,
Daniela Schulz
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Es wird wieder Zeit, sich eine wärmende Kaffeestube zu suchen. Wer in Hamburg-Wilhelmsburg unterwegs ist, dem kann ich die Kaffeeklappe nur wärmstens empfehlen.

In entspannter Atmosphäre kann man hier seinen Cappuccino oder auch Filtercafé genießen, von denen sie zwei Sorten im Angebot haben: Einen  Kenia Pearl mit einem kräftigem, leicht schokoladigen Aroma oder einen säurearmen Maragogype, bekannt auch als „Elefantenbohne“ wegen der überdurchschnittlichen Größe der Bohne.

Auf der Speisekarte findet man warme und kalte Gerichte und auch sehr leckeren Kuchen zu vernünftigen Preisen. Die Kaffeeklappe sieht sich in der Tradition der Hafenarbeiterkantinen. Aus einem Laden (Klappe) heraus wurden heiße Getränke und Suppen verkauft, um die Hafenarbeiter besser zu ernähren. Zusätzlich sollte das Proletariat vom Alkohol abgehalten werden.

Ein Einrichtungsdetail bezieht sich tatsächlich auf den Hafen. An der Wand neben dem Schaufenster lehnt das letzte Stück Zollzaun, mit dem das zollfreie Gebiet des alten Freihafens abgesperrt war. Bürgermeister Olaf Scholz soll es im Januar 2013 in einem symbolischen Akt höchstpersönlich abgebaut haben.

Die moderne Kaffeeklappe organisiert auch Kulturevents wie Musikabende und engagiert sich für nachhaltigen Konsum. Über die Veranstaltungen am besten über die Facebook-Seite der Kaffeeklappe informieren

Kaffeeklappe, Fährstraße 69 in Wilhelmsburg, Di. bis Fr. 8 bis 20 Uhr, Sa. und So. 10 bis 20 Uhr, Montag ist Ruhetag.


 

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Kaffee bei Schietwetter

19 Aug , 2015,
Daniela Schulz
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Ich habe jetzt eine zuverlässige Lieblingskaffeebar. Wenn es regnet, und das tut es in Hamburg häufig, frage ich den Barista, was er mir denn heute empfiehlt.

Gestern war wieder so ein Tag: Regen – von früh bis spät. João kommt aus Portugal und ist der Kaffeemeister bei Black Delight. João sagte gestern, „was Heißes“. Und ich war einverstanden. Wir mussten uns nur noch über Kaffeesorte und Zubereitung einigen. Das überließ ich vertrauensvoll wiederum João. Er beschloss, dass Filterkaffee das beste für mich sei und kredenzte mir einen Workye Shallo aus Äthiopien.

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Der Workye Shallo kommt nicht nur aus einer bestimmten Region Äthiopiens, des Ur-Landes der Kaffeebohne, sondern man kann ihn bis zur Farm zurückverfolgen, wo er herkommt. Workye Shallo ist die Kooperative, von der der Kaffee stammt.  Ähnlich wie beim Wein, wo die Herkunftsangabe schon lange üblich ist, versuchen Kenner das Prinzip auch bei Kaffee einzuführen.

Der Workye Shallo schmeckt fruchtig nach roten Beeren. Bei einem Kaffee mit solch einem feinen Eigengeschmack braucht es keine Milch. Im Gegenteil, Milch würde den Geschmack vollkommen ruinieren. Im Black Delight gibt es keine Porzellankännchen. In gläsernen Karaffen kann man die klare, hellbraune Farbe des Naturgetränks bewundern und genießen.

Der Workye Shallo wurde unter der afrikanischen Sonne getrocknet und ist daher genau das richtige  Gegengewicht für Hamburger Schietwetter.

Adresse: Black Delight, Hamburg, Eppendorfer Weg 67


 

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Kaffeepause in nostalgischem Ambiente

1 Jun , 2015,
Daniela Schulz
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Kaffeepause zwischendurch geht auch in einem kleinen Ladengeschäft wie etwa bei Helmke Winkelmann in ihrem neuen Laden Nutrikus in Hamburg-Eimsbüttel. Das Angebot richtet sich an Ernährungsbewusste und Allergiker. In frischem Weiß und nostalgisch eingerichtet serviert die diplomierte Oecotrophologin fair gehandelten Kaffee aus Brasilien.

Der Kaffe kommt aus dem Espresso-Vollautomaten, also kein Filterkaffee. Man kann aus zwei verschiedenen Bohnensorten wählen. Als Arabica-Fan habe ich mich für den zu 100 Prozent aus Arabica bestehenden Pure Passion von Moema entschieden. Daneben gibt es auch eine Mischung aus Robusta und Arabica mit dem vielversprechenden Namen Samba Flavour. Ebenfalls von Moema, einem deutsch-brasilianischen Espresso-Röster aus São Paulo und Berlin. Der Pure Passion schmeckt mild und kräftig zugleich. Ich fand ihn äußerst bekömmlich. Kein Wunder, denn die Oecotrophologin bietet im Laden auch Ernährungsseminare und Beratung an. Außerdem finden Kochkurse statt und ein regelmäßiges Nachbarschaftsdinner.

Nutrikus ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. U 2-Haltestelle Lutterothstraße, Methfesselstraße 96, Hamburg-Eimsbüttel