Schlagwort: Äthiopien

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Kaffee bei Schietwetter

19 Aug , 2015,
Daniela Schulz
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Ich habe jetzt eine zuverlässige Lieblingskaffeebar. Wenn es regnet, und das tut es in Hamburg häufig, frage ich den Barista, was er mir denn heute empfiehlt.

Gestern war wieder so ein Tag: Regen – von früh bis spät. João kommt aus Portugal und ist der Kaffeemeister bei Black Delight. João sagte gestern, „was Heißes“. Und ich war einverstanden. Wir mussten uns nur noch über Kaffeesorte und Zubereitung einigen. Das überließ ich vertrauensvoll wiederum João. Er beschloss, dass Filterkaffee das beste für mich sei und kredenzte mir einen Workye Shallo aus Äthiopien.

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Der Workye Shallo kommt nicht nur aus einer bestimmten Region Äthiopiens, des Ur-Landes der Kaffeebohne, sondern man kann ihn bis zur Farm zurückverfolgen, wo er herkommt. Workye Shallo ist die Kooperative, von der der Kaffee stammt.  Ähnlich wie beim Wein, wo die Herkunftsangabe schon lange üblich ist, versuchen Kenner das Prinzip auch bei Kaffee einzuführen.

Der Workye Shallo schmeckt fruchtig nach roten Beeren. Bei einem Kaffee mit solch einem feinen Eigengeschmack braucht es keine Milch. Im Gegenteil, Milch würde den Geschmack vollkommen ruinieren. Im Black Delight gibt es keine Porzellankännchen. In gläsernen Karaffen kann man die klare, hellbraune Farbe des Naturgetränks bewundern und genießen.

Der Workye Shallo wurde unter der afrikanischen Sonne getrocknet und ist daher genau das richtige  Gegengewicht für Hamburger Schietwetter.

Adresse: Black Delight, Hamburg, Eppendorfer Weg 67


 

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Kaffee für Teetrinker

3 Aug , 2015,
Daniela Schulz

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Ich gebe es zu: Ich bin Teetrinkerin. Der Morgen muss mit grünem Tee beginnen. Erst danach fühle ich mich startklar für den Tag. Ausnahmen gehen nur in Italien, wo ich mich kaffeemäßg zuhause fühle und zu Kompromissen bereit bin. Bei meiner ersten Blind-Kaffeeverkostung in der Speicherstadt Kaffeerösterei habe ich unter acht verschiedenen Kaffees den äthiopischen Sidamo auf Platz 1 meiner Favoritenliste gesetzt. Ich mag sein mildes und leichtes Aroma. Die Leiterin der Verkostung war denn auch begeistert als sie von meinem Faible für grünen Tee und meinem Schreiben Kaffeeblog erfuhr. „Das passt ja“, war denn ihr schmunzelnd-lakonischer Kommentar.

Der Sidamo Shakiso ist ein Bio-Kaffee aus Äthiopien. Auf 1.800 bis 2.000 Meter Höhe wird er in der Provinz Oromia, Guji-Zone, von Kooperativen angebaut. Äthiopien ist das Heimatland der Kaffeepflanze und Handlungsort der bekanntesten Kaffeesage. Kein Wunder also, dass der Sidamo Shakiso zu den ursprünglichen, alten Kaffeevarietäten zählt. Beim Kaffee ist eine Varietät eine Unterart der Gattung, also der Coffea Arabica. Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, dem empfehle ich, einmal die Kaffeenetz Community aufzusuchen.

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Sidamo Shakiso-Bohnen, geröstet

Der Sidamo hat nur eine ganz leichte Säure mit zitronigem Aroma. Die kleinen Bohnen verströmen dabei einen leicht schokoladigen Duft. Beim Öffnen der Kaffeeverpackung riecht man ihn am intensivsten. Von den Kaffeefachleuten wird sein Aroma in Richtung Kastanie, Muskat und Bergamotte eingeordnet. Ehrlich gesagt, ich habe bei meiner kleinen Privatverkostung davon vielleicht ein bisschen von Bergamotte erschmeckt. Das Bergamotte-Aroma war aber in einer dickwandigen Tasse eher zu schmecken als in einer klassischen dünnwandigen.

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Robuste dickwandige Kaffeetasse von Kahla

Wegen seiner frühlingshaften, blumigen Aromen eignet sich der Sidamo als Filterkaffee sowie auch für die French Press. Bei Papierfiltern sollte man aber darauf achten, dass man eine Sorte mit wenig Eigengeschmack erwischt, sonst kann der Papierfilter den Kaffeegenuss beeinträchtigen.

Ich trinke den Sidamo am liebsten als leichten Nachmittagskaffee schwarz, zum Genuss und um noch einmal einen Wach-Kick zu bekommen. Milch würde die Aromenvielfalt des Sidamo überlagern. Für  Milchkaffee sind andere Kaffeesorten geeigneter. Der Sidamo Shakiso ist in der Tat ein besonderer Kaffee, die sich auf seine Aromavielfalt einlassen wollen. Wer als Teetrinker seine Geschmacksnerven geschult hat, dem fällt das vielleicht ein wenig leichter.

Foto: Rod Waddington from Kergunyah, Australia

Ziegen und Kaffee

22 Apr , 2015,
Daniela Schulz
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Nachtaktive Menschen bevorzugen bekanntlich Kaffee. Krankenpfleger, Krankenhausärztinnen, Lokführer, Gute-Laune-Moderatoren diverser Morning Shows kämen ohne Kaffee kaum über die Runden.

Zu verdanken haben diese Berufsgruppen und wir Kaffeeliebhaber das segensreiche Gebräu einigen nachtaktiven Tieren. So jedenfalls will es eine uralte Legende wissen. Ziegen im äthiopischen Hochland sollen die belebende Wirkung des Koffeins als erste entdeckt haben. Seltsame Vorstellung: Ohne eine Herde afrikanischer Ziegen gäbe es weder Kaffeebars noch cremigen Cappuccino!

Äthiopien – Urheimat des Kaffees

Stellen Sie sich einmal vor: Ein bewaldetes Hochplateau in Äthiopien. Nachts wird ein junger Ziegenhirte immer wieder vom Gemecker seiner Tiere aufgeschreckt. Die meisten Ziegen schlafen, aber einige werden nicht müde und springen immer wieder aufgekratzt umher. Der junge Ziegenhirt wird um seine Nachtruhe gebracht und beobachtet, wie die schlaflosen Ziegen immer wieder an den Zweigen eines kleinen Baumes naschen. Am nächsten Tag reisst der Junge einige Zweige von dem Strauch ab und bringt sie dem Abt des nahe gelegenen Klosters.

Der Junge berichtet ihm von den schlaflosen Ziegen. Schließlich wagt der Geistliche den Selbstversuch und kocht aus den Blättern eine Art Kaffeesud auf. Am Abend vor der Gebetsstunde trinkt er das Gebräu. Dieses Mal bleibt der Abt hellwach bis zum letzten Vers seines Gebets.

Der erste Röstkaffee aus dem Jemen

Die ersten schriftlichen Quellen über den Wachmacher aus Ostafrika stammen übrigens von arabischen Mönchen aus einem jemenitischen Kloster im 14. Jahrhundert. Sie waren schon einen Schritt weiter und bereiteten einen Aufguss aus den gerösteten Früchten des Kaffeebaums zu. Der Grund für den Kaffeedurst war damals schon, die Arbeitsstunden in den Abend auszudehnen.

Vom Jemen aus erreichte der Wundertrank Ägypten und schließlich das Osmanische Reich. Das Heer des Sultans war ebenfalls auf die Kraft der Kaffeebohne angewiesen. Als die Osmanen im 17. Jahrhundert lange und erfolglos Wien belagert hatten, ließen sie beim überstürzten Rückzug ließen mehrere Kaffeesäcke zurück. Angeblich hat ein österreichischer Spion namens Georg Franz Kolschitzky die Kaffeesäcke gefunden und das erste Wiener Kaffeehaus damit begründet. Seitdem gilt Kolschitzky  als Schutzpatron der Wiener Kaffeehäuser.

Foto: Rod Waddington (from Kergunyah, Australia); Lizenz: Creative Commons

Titel: Male Walia Ibex in the Fog, Simien Mountains, Ethopia