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Nord Coast Coffee Roastery

6 Nov , 2015,
Daniela Schulz
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Für die meisten Deutschen ist immer noch Italien das gelobte (Kaffee-)Land. Da hat sich seit Goethe nichts geändert: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“. Für die Kulturbeflissenen: „et ego in arcadia“. Auch ich hatte in bella Italia meine erstes grandioses, Cappuccino-Erlebnis. Kein Zufall, dass dieser Blog caffepause heißt – wie „il caffè“.

“But times they are a changing”, wusste schon Pop-Opa Bob Dylan und auch beim Kaffee gibt es keinen Stillstand. Seit einigen Jahren schwappt die nordische Methode oder „the nordic approach“ über die Ostsee und über den Atlantik zu uns herüber. Bekannter als Third Wave Coffee, die dritte Kaffeewelle. Diese Welle hat auch die alt-ehrwürdige Kaffeestadt Hamburg erreicht, wo die riesigen Kaffeecontainer aus Afrika, Asien und Lateinamerika ankommen und Europa mit dem schwarzen Getränk versorgen.

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Und hier kommt Paula Mendes ins Spiel. Aus einer brasilianischen Kaffeefamilie kam sie nach Hamburg. Als Kind genoss sie den Duft von frischem, perfekt geröstetem Kaffee auf der Farm ihres Großvaters. Sie hat sozusagen Kaffee im Blut. Nach intensiven Lehrjahren hat sie sich einen Traum erfüllt und mit ihrem Partner Jörn Gorzolla die Nord Coast Coffee Roastery eröffnet.

Bei Nord Coast ist der Name Programm. Schon auf den ersten Blick sagen dir die klaren, hellen Linien der Einrichtung, dass du es hier mit Leuten zu tun hast, die es schnörkellos skandinavisch lieben. Die Vielfalt kommt dennoch nicht zu kurz.kaffeebohnen-roh-und-geröstet-third-wave-coffee

Neben Espressobohnen stehen fünf Single Origins zur Auswahl. Das sind Kaffees, die jeweils aus einer einzigen Herkunftsregion stammen, sogar nur von einer bestimmten Plantage wie etwa der San Marcos Appaece aus Guatemala.

Ein bisschen ist es, der schnöde Vergleich sei erlaubt, wie bei Subways mit den Sandwiches. Nicht nur, dass man sich zwischen fünf Kaffees entscheiden muss, du hast auch die Auswahl zwischen fünf verschiedenen Brühmethoden. Nordischer Kaffeegenuss heißt, dass man handwerklich hervorragend gerösteten Kaffee kombiniert mit einer Brühmethode oder auch als Espresso in die Tasse bekommt.

Bei meiner Bestellung entscheide ich mich für den Handfilter. Die anderen Brühmethoden – Karlsbader Kanne, Aeropress oder Syphon – probiere ich bei einem meiner nächsten „caffepausen“ aus, nehme ich mir vor.

Der San Marcos Appaece, übrigens eine Empfehlung vom Barista, stellt sich als exzellente Wahl heraus. Richtig guten Kaffee trinke ich grundsätzlich ohne Milch, weil ich so die köstlichen Aromen besser schmecken kann. Ein Qualitätsbeweis ist es, wenn der Kaffee auch abgekühlt noch aromatisch und nicht säuerlich daher kommt. Dies war hier definitiv der Fall.

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Der San Marcos ist eine Röstung von Nord Coast und hat mich von deren Rösterfähigkeiten überzeugt. Im Norden röstet man allgemein heller, das heißt aber nicht dass der Kaffee weniger stark ist als die dunklen schokoladig-bitteren Espressoröstungen des Südens. Italienfans finden dies zumindest gewöhnungsbedürftig. Seitdem ich mich aber auf das Skandinavien-Experiment eingelassen habe, kann ich sagen, dass sich meine Qualitätsmaßstäbe „eingenordet“ haben.

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Espresso- und Cappuccino-Afficionados kommen bei Nord Coast aber ebenfalls auf ihre Kosten. Überzeugend fand ich folgende Bestellung eines Kunden, der nur Bohnen kaufen wollte: „Einen vollmundigen Espresso, nicht zu sauer, ich habe nämlich Probleme mit dem Magen.“ Der Vorteil bei Röstercafés wie dem Nord Coast ist übrigens auch, dass man den Kaffee probieren kann, bevor man sich sein Viertelpfund für zuhause einpacken lässt.

 

Nord Coast Coffee Roastery, Hamburg, Deichstraße 9,  Tel. +49 40 360 934 99, Öffentliche Verkehrsmittel: U 3  Rödingsmarkt

Öffnungszeiten: Mo.  9-18 Uhr, Di.  Ruhetag, Mi. – Fr. 9-18 Uhr, Sa. – So. 10 – 18 Uhr


 

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