Blogbeitrag

fleckenmusang

Katzenkaffee Kopi Luwak

12 Aug , 2015,
Daniela Schulz
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4 Kommentare

Immer wieder wurde ich gefragt, wann ich endlich einen Artikel über den berühmten Kopi Luwak, vulgo Katzenkaffee, schreibe. Lange habe ich gezögert, weil ich fürchtete, die Thematik würde einen Blogpost sprengen.

Nun zu den Fakten: Dieser Kaffee ist nichts für Veganer und nur begrenzt etwas für Tierfreunde. Kopi steht in Indonesien für Kaffee. Der Luwak ist trotz seines kuscheligen Fells keine Katze, sondern ein Fleckenmusang, ein affenähnliches Tier, das gerne für sich bleibt und sich abwechslungsreich ernährt. Daher der Name Kopi Luwak. Seitdem man mit seinen Exkrementen, in denen sich Kaffeebohnen befinden, sehr viel Geld machen kann, ist es um seinen ursprünglichen Lebensstil geschehen. Geldgierige Menschen sperren das scheue Tier in enge Käfige mit anderen Artgenossen. Der Luwak, der eine abwechslungsreiche Diät aus  Früchten, Insekten, Würmern und Vogeleiern liebt, wird in der Gefangenschaft mit Kaffeekirschen gemästet.Keine geeignete Nahrung für einen Allesfresser. In den Kirschen befinden sich die späteren Kaffeebohnen, sie werden nach dem Verdauungsprozess augeschieden. Man nennt das dann natürliche Fermentierung.

hauskaninchen

Hauskaninchen Nicky und Pascal

Als wir unsere Zwergkaninchen Nicky und Pascal aus dem Tierheim holten, wurde uns von den Mitarbeitern eingeschärft, sie ja nicht einseitig zu ernähren und ihnen genug Platz zu lassen. Man stelle sich vor, ich würde Nicky und Pascal ausschließlich mit Kaffeekirschen mästen. Sie würden es nicht lange überleben und die Tierschützer würden mir obendrein die Höllei heiß machen und mir die Polizei ins Haus schicken.

Nun leben die Luwaks nicht in Deutschland, sondern in Indonesien. Das ist weit genug weg, um nicht allzu genau hinzuschauen. Der größte Teil des gehandelten Kopi Luwak stammt von von Tieren aus Gefangenschaft, sprich Massentierhaltung. Manchmal sind es mittlerweile auch keine Luwaks mehr, sondern das Fachmagazin Crema schreibt, dass auch Schweine manchmal in den zweifelhaften Genuss der Kaffeekirschen kommen.

Wie kam es überhaupt zu dem Hype um den Kopi Luwak? Luwaks scheinen tatsächlich auf den Geschmack der reifen Kaffeefrüchte gekommen zu sein. Ähnlich wie die Ziegen in Afrika. Zur Erntezeit räuberten sie in den Kaffeefeldern und die Kaffeebauern fanden einen Teil der geraubten Ernte im Urwald wieder, wo die Luwaks ihre Ausscheidungen hinterließen.

„Gesäubert und gewaschen bekamen die durch den Tierdarm vorfermentierten Kaffeebohnen einen einzigartigen und hochgelobten Geschmack. Weil diese Bohnen ein Produkt aus der Wildnis waren und daher schwer zu ernten (…) war der Kopi Luwak zunächst keine Handelsware, sondern lediglich eine interessante Kaffeekuriosität“, schrieb der Kopi-Luwak-Entdecker Tony Wild in seinem Gastbeitrag für den britischen „The Guardian“. Wild nahm ein Kilogramm Rohkaffee mit nach Nordengland und erzählte einigen regionalen Medien in Yorkshire von der Kaffebesonderheit. Daraus entwickelte sich, so jedenfalls Wild, eine nicht mehr zu steuernde Woge des Interesses weltweit. Der „Katzenkaffee“ hat den Kaffeehändler Wild berühmt gemacht. Über den Guardian gab er vor zwei Jahren bekannt, dass er es war, der diese Welle anstieß und dass ihm das nun leid tue. Er möchte das Ganze am liebsten wieder stoppen.

Aber das Ganze ist nicht mehr zu stoppen. Bei einem Kilopreis von über 400 Euro sind die Gewinnmargen und damit die Gier einfach zu groß, als dass sich diese Tierquälerei einfach von heute auf morgen rückgängig machen ließe. Immerhin haben sich die europäischen und amerikanischen Spezialitätenkaffeeverbände SCAE und SCAA eindeutig gegen Kopi Luwak ausgesprochen und es laufen diverse Kampagnen gegen diese Art von Tierquälerei.

Zum Schluss noch etwas zum Geschmack. Aus Neugier und damaliger Unwissenheit habe auch ich schon mal einen Kopi Luwak im Café bestellt. Ich hatte kein besonderes Erweckungserlebnis hinsichtlich des Geschmacks. Wer guten Kaffee sucht, der hat genügend Auswahl und braucht keinen Kopi Luwak. Es sei denn er oder sie möchte sein/ihr dickes Konto herausstellen.

 

4 Comments

  1. Annika Oktober 14, 2015 at 3:15 pm Reply

    Hallo Daniela,

    super Post! Finde ich klasse, dass Du den Hintergrund beleuchtest und so ein ehrliches Fazit über diesen Hype-Luxus-Kaffee ziehst.
    Vielleicht bis zum nächsten Cupping bei Coffee Fellows – und wenn Du wirklich mal ein Buch machst und noch einen Illustrator brauchst, lasse es mich gern wissen 😉
    Herzliche Grüße
    Annika

    • Daniela Schulz Oktober 14, 2015 at 11:29 pm Reply

      Hallo Annika, ja, Cupping klingt immer gut. Bis bald

  2. Inga Treis August 13, 2015 at 8:57 am Reply

    Thank you for this well researched information, Daniela! It lights up the background of this unscrupulous grimy money making. You certainly convinced me to never sip at the Kopi Luwak. Instead I might follow your recommandation to try the Sidamo! Inga Treis

    • Daniela Schulz August 20, 2015 at 12:05 am Reply

      Dear Inga, this might be a very good choice! Speicherstadt Kaffeerösterei even sells an organic Sidamo. But you could also try some of the Black Delight coffees. I described one in my latest post. – Best, caffepause

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