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Kaffee oder Biersuppe?

21 Mrz , 2015,
Daniela Schulz

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Ein angewärmtes Bierchen zum Frühstück gefällig? Die meisten Menschen schütteln sich allein schon bei dem Gedanken. Warmes Bier und dann auch noch gleich nach dem Aufstehen? Unvorstellbar für uns im 21. Jahrhundert.

Noch zur Zeit unserer Urgroßeltern war ein Sud aus Dünnbier die ideale Morgenmahlzeit. Zumindest auf dem Land, wo man morgens raus aufs Feld musste. Selbst den Kindern gab man Bier zu trinken. Der Biersud hatte jedoch weniger Prozente als unser heutiges Bier – und er stärkte. Harte körperliche Arbeit konnten die Menschen mit einem Bierchen besser bewältigen. Kopfarbeit war damals noch nicht so gefragt.

Kaffee kannten lange Zeit nur die Fernkaufleute, die mit dem Nahen Osten Handel trieben. Stets auf der Suche nach Erweiterung ihres Warensortiments kamen die Produkt-Scouts des 17. Jahrhunderts mit dem anregenden Gebräu, das nicht betrunken machte, in Berührung. In Ägypten und im Osmanischen Reich gab es bereits zahlreiche Kaffeehäuser für jedermann. Sie bezogen ihren Rohstoff, die Arabica-Bohne, aus Mocha – dem Hauptumschlagshafen für Kaffee im Jemen.

Nüchtern zur Arbeit mit Kaffee statt Bier

Das erste Kaffeehaus im deutschsprachigen Raum eröffnete hoch im Norden – in der Hansestadt Bremen. 1673 bekam ein holländischer Kaffee-Importeur die erste Schankgenehmigung für den sogenannten Türkentrank. Nüchtern zur Arbeit sollten die Bremer von nun an erscheinen. Auch sie bevorzugten bis dato Alkoholhaltiges zum Frühstück. Denn das Trinkwasser der Stadt war ungenießbar, wie ie in den meisten Städten damals. Ein leichter Alkoholpegel stellte ein geringeres Krankheitsrisiko dar als das mit Coli-Bakterien und anderem verschmutzte Trinkwasser. Kaffee hatte einen entscheidenden gesundheitlichen Vorteil: Im abgekochten Kaffeewasser waren alle Bakterien getötet. So entwickelte sich der  dunkle Trank zur gesunden Morgenmahlzeit. Kaffeetrinker waren auch den erhöhten Anforderungen des neuen Zeitalters gewachsen. Mit der industriellen Revolution wurde die Arbeit anspruchsvoller und erforderte mehr Konzentration.

Ohne die Einführung des Kaffees wäre demnach unsere hochtechnisierte Gesellschaft kaum denkbar. Die industrielle Revolution wäre am Alkoholismus gescheitert. Die europäische Aufklärung wäre ohne den „Türkentrank“ ebenfalls nicht entstanden und ohne Aufklärung keine Demokratie.

Danken wir also jeden Morgen dem Schicksal, das uns die Biersuppe erspart.

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