Kategorie: Kaffeezubereitung

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Kaffeesatz lesen

25 Jan , 2016,
Daniela Schulz

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Der Januar liegt bereits im Endspurt, aber noch ist Zeit genug, um das Thema Jahreshoroskop angzugehen. Was liegt näher bei einem Kaffeeblog als das altbekannte Kaffeesatz lesen?

Am besten geht Kaffeesatz lesen mit einer Tasse traditionell zubereitetem Mokka. Die Türken – und auch Griechen – kochen das Kaffeepulver mit Zucker in einem langstieligen Topf auf, der Ibrik genannt wird. Danach kommt das Gebräu ungesiebt in die kleine Mokkatasse. Nun schnell austrinken. Am Tassenboden hat sich das Kaffeepulver abgesetzt. Da sind allerdings noch keine Strukturen zu erkennen, deshalb Mokkatasse umstürzen auf die Untertasse. Erst durch das Umstürzen entstehen die Formen, aus denen angeblich die Zunkunft des Kaffeetrinkers sichtbar wird.

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Glücksschwein im Kaffeesatz

Nun hat man die Wahl, ob man den Kaffeesatz auf der Untertasse oder den in der Mokkatasse verbliebenen Kaffeesatz interpetiert, also liest. Ich habe mich beim Selbstversuch für beide Methoden entschieden. Am Boden meiner Mokkatasse ist ein Herz zu erkennen. Das sieht gut aus. Also beste Aussichten für das Gefühlsleben 2016. Auf der Untertasse gleicht die Form einem Tier. Ein Hund oder vielleicht ein kleines Schweinchen. Ich entscheide mich für das Glücksschwein. Also Liebe und Glück fürs Jahr 2016. Gibt es ein besseres Horoskop?

Der Brauch des Kaffesatzlesens stammt ursprünglich – genauso wie der Kaffee – aus dem Nahen Osten. Über Ägypten kam die Tradition in die Türkei. In den Cafés in Istanbul sieht man ab und zu Leute jeden Alters, wie sie ihre leeren Mokkatassen umdrehen, um in den Kaffeeresten Muster oder sogar Figuren zu erkennen. Von der Tasse tropfender Kaffee kann etwa als Tränen gedeutet werden. Es mag dahingestellt sein, ob Freudentränen oder Tränen aus Trauer.

Für viele ist das Kaffeesatzlesen ein Grund, sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Wegen der Vielfalt der Kaffeesatzformen wird der Gesprächsstoff nie ausgehen. Vielleicht sollten wir in hiesigen Kaffees auch mehr Mokka trinken, um in die Zukunft blicken zu können. Zumindest für anregende Unterhaltung wäre dann gesorgt. Probiert es einfach mal aus!

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Nord Coast Coffee Roastery

6 Nov , 2015,
Daniela Schulz
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Für die meisten Deutschen ist immer noch Italien das gelobte (Kaffee-)Land. Da hat sich seit Goethe nichts geändert: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“. Für die Kulturbeflissenen: „et ego in arcadia“. Auch ich hatte in bella Italia meine erstes grandioses, Cappuccino-Erlebnis. Kein Zufall, dass dieser Blog caffepause heißt – wie „il caffè“.

“But times they are a changing”, wusste schon Pop-Opa Bob Dylan und auch beim Kaffee gibt es keinen Stillstand. Seit einigen Jahren schwappt die nordische Methode oder „the nordic approach“ über die Ostsee und über den Atlantik zu uns herüber. Bekannter als Third Wave Coffee, die dritte Kaffeewelle. Diese Welle hat auch die alt-ehrwürdige Kaffeestadt Hamburg erreicht, wo die riesigen Kaffeecontainer aus Afrika, Asien und Lateinamerika ankommen und Europa mit dem schwarzen Getränk versorgen.

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Und hier kommt Paula Mendes ins Spiel. Aus einer brasilianischen Kaffeefamilie kam sie nach Hamburg. Als Kind genoss sie den Duft von frischem, perfekt geröstetem Kaffee auf der Farm ihres Großvaters. Sie hat sozusagen Kaffee im Blut. Nach intensiven Lehrjahren hat sie sich einen Traum erfüllt und mit ihrem Partner Jörn Gorzolla die Nord Coast Coffee Roastery eröffnet.

Bei Nord Coast ist der Name Programm. Schon auf den ersten Blick sagen dir die klaren, hellen Linien der Einrichtung, dass du es hier mit Leuten zu tun hast, die es schnörkellos skandinavisch lieben. Die Vielfalt kommt dennoch nicht zu kurz.kaffeebohnen-roh-und-geröstet-third-wave-coffee

Neben Espressobohnen stehen fünf Single Origins zur Auswahl. Das sind Kaffees, die jeweils aus einer einzigen Herkunftsregion stammen, sogar nur von einer bestimmten Plantage wie etwa der San Marcos Appaece aus Guatemala.

Ein bisschen ist es, der schnöde Vergleich sei erlaubt, wie bei Subways mit den Sandwiches. Nicht nur, dass man sich zwischen fünf Kaffees entscheiden muss, du hast auch die Auswahl zwischen fünf verschiedenen Brühmethoden. Nordischer Kaffeegenuss heißt, dass man handwerklich hervorragend gerösteten Kaffee kombiniert mit einer Brühmethode oder auch als Espresso in die Tasse bekommt.

Bei meiner Bestellung entscheide ich mich für den Handfilter. Die anderen Brühmethoden – Karlsbader Kanne, Aeropress oder Syphon – probiere ich bei einem meiner nächsten „caffepausen“ aus, nehme ich mir vor.

Der San Marcos Appaece, übrigens eine Empfehlung vom Barista, stellt sich als exzellente Wahl heraus. Richtig guten Kaffee trinke ich grundsätzlich ohne Milch, weil ich so die köstlichen Aromen besser schmecken kann. Ein Qualitätsbeweis ist es, wenn der Kaffee auch abgekühlt noch aromatisch und nicht säuerlich daher kommt. Dies war hier definitiv der Fall.

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Der San Marcos ist eine Röstung von Nord Coast und hat mich von deren Rösterfähigkeiten überzeugt. Im Norden röstet man allgemein heller, das heißt aber nicht dass der Kaffee weniger stark ist als die dunklen schokoladig-bitteren Espressoröstungen des Südens. Italienfans finden dies zumindest gewöhnungsbedürftig. Seitdem ich mich aber auf das Skandinavien-Experiment eingelassen habe, kann ich sagen, dass sich meine Qualitätsmaßstäbe „eingenordet“ haben.

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Espresso- und Cappuccino-Afficionados kommen bei Nord Coast aber ebenfalls auf ihre Kosten. Überzeugend fand ich folgende Bestellung eines Kunden, der nur Bohnen kaufen wollte: „Einen vollmundigen Espresso, nicht zu sauer, ich habe nämlich Probleme mit dem Magen.“ Der Vorteil bei Röstercafés wie dem Nord Coast ist übrigens auch, dass man den Kaffee probieren kann, bevor man sich sein Viertelpfund für zuhause einpacken lässt.

 

Nord Coast Coffee Roastery, Hamburg, Deichstraße 9,  Tel. +49 40 360 934 99, Öffentliche Verkehrsmittel: U 3  Rödingsmarkt

Öffnungszeiten: Mo.  9-18 Uhr, Di.  Ruhetag, Mi. – Fr. 9-18 Uhr, Sa. – So. 10 – 18 Uhr


 

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Espresso aus der Fahrradpumpe

28 Okt , 2015,
Daniela Schulz
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Eine Fahrradpumpe als Espressobereiter? Für Outdoor-Freaks, die auf dem Campingplatz kultiviert nach den Spaghetti mit Tomatensauce einen Espresso kippen wollen?

Das ist etwas für die Wunschliste zu Weihnachten: Ein Espressobereiter für unterwegs, der wohlschmeckenden Kaffee produziert. Das Prinzip ähnelt dem einer Luftpumpe und so sieht die Handpresso auch aus. Dennoch ist sie nicht nur etwas Fahrradfahrer und Outdoor-Freaks, sondern vor allem für Menschen, die guten Espresso schätzen.

Handpresso

Handpresso

Es gibt die Handpresso Wild und die Handpresso Wild Hybrid. Bei letzterer handelt es sich um die Weiterentwicklung des Vorgängermodells „Wild“. Beim älteren Modell müssen Espressoliebhaber Espresso-Pads dabei haben. Beim neueren Modell „Wild Hybrid“ kommt gemahlener Kaffee in den Siebeinsatz. Oft wird er „Domepod“ genannt. Perfektionisten haben zusätzlich einen Tamper dabei. Das mitgelieferte Sieb hat allerdings nicht den Standarddurchmesser. Handpresso bietet den passenden Tamper in seinem Zubehörprogramm an. Er muss oder kann dazugekauft werden.

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Barometer

Nach dem Einfüllen des Kaffeepulvers pumpt man einen Druck von 16 Bar in die Druckkammer. Das ist tatsächlich wie bei einer Fahrradpumpe. Heißes Wasser wird eingefüllt und nun setzt man das mit Espressomehl bestückte Kaffeesieb oben drauf. Auf den Knopf drücken und das Wasser wird unter hohem Druck durch das Espressopulver gepresst. Am besten über eine vorgewärmte Tasse halten und den Espresso in das Gefäß träufeln lassen. Ich habe es selbst probiert: Das Gebräu hat eine ausgeprägte Crema und durchaus vollen Geschmack.

Die Handpresso ist für unterwegs bestens geeignet. Das benötigte heiße Wasser kann man sich in einer Thermoskanne mitnehmen, es sollte aber auf jeden Fall noch über 90 Grad haben.

Ob auf dem Campingplatz oder in Seminarräumen ohne vernünftige Espressomaschine. Mit der Handpresso ist guter Espresso auch dort möglich, wo man von der Kaffeezivilisation abgeschnitten ist: In der freien Wildbahn ebenso wie an Autobahnraststätten. Und schließlich stellt sie auch die Lösung für das individuelle Kaffeeproblem auf Workshops dar, wo die Fünfliter-Thermoskanne immer noch als das Non plus Ultra der Kaffeegrundversorgung betrachtet wird.

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Espresso mit Crema

Im Übrigen ist die Handpresso der absolute Hingucker. Es ergeben sich damit oft interessante Gespräche und neue Kontakte. Für Mutige auch als Networking-Tool zu empfehlen.

Handpresso gibt’s bei Globetrotter und diversen Onlineshops wie Coffee Circle oder Moema. Bei Moema kann man wählen zwischen der Luxusvariante im edlen Köfferchen für 139 Euro oder der pragmatisch einfachen Version im Beutel für 85,90 Euro. Auf jeden Fall lohnt es sich die Preise zu vergleichen. Je nach dem, welchen Standard man haben möchte, kann der Unterschied schon mal schlappe 50 Euro betragen. Zudem gibt es noch einiges an Zubehör. Aber es ist ja bald Weihnachten. Wohl bekomm’s.


 

Espresso Tonic

Espresso mit Tonic

21 Aug , 2015,
Daniela Schulz

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Im vergangenen Sommer war Black Tonic der Sommerdrink in New Yorker Cafés und Bars. Mittlerweile ist er als Espresso Tonic über den Atlantik rübergeschwappt. Man trinkt ihn jetzt auch zwischen Hamburg und Budapest.

Das Grundrezept ist ein Shot Espresso auf zwei großen Eiswürfeln mit Tonic. Beim selber Zubereiten achtet bitte darauf, ein Tonicwasser mit nicht zu hohem Zuckeranteil zu verwenden. Zu viel Zucker zerstört den ausgewogenen Geschmack zwischen herbbitter und Süße. Daher auch nur einen Schuss Tonic nehem und nicht die ganze Flasche für einen Espresso. Am besten erst einmal mit wenig Tonic ausprobieren.

Der bittersüße Tonicgeschmack harmoniert ausgezeichnet mit dem klaren, bitteren Espresso. Oliver Strand, Kaffeekritiker bei der New York Times, erinnert das Getränk an  einen „edlen Fernet Branca auf Soda, den man nachmittags in Buenos Aires trinkt“.

Das Kribbeln der Kohlensäure auf der Zunge zusammen mit den Eiswürfeln ergeben einen tollen erfrischenden Genuss, der schon beinahe in Richtung Long Drink geht. Ein perfekter Nachmittagsdrink nicht nur in Buenos Aires oder New York.

Kaffe Tonic in San Francisco

Auch wenn die New Yorker gerne über die Entspanntheit der Westküste lästern, das Rezept kommt laut Strand aus San Francisco und dort ursprünglich aus der Saint Frank Coffee Bar im Stadtteil Russian Hill. Der Besitzer von Saint Frank’s habe sich bei dem Rezept allerdings wiederum von der Kaffeebar des Mikrorösters Koppi in Helsingborg/Schweden inspirieren lassen, will Strand wissen. Daher komme auch der Name Kaffe Tonic unter dem es den Espressodrink in San Francisco gibt.

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Black Delight Hamburg-Eimsbüttel

In Deutschland wurde mir der Espresso Tonic das erste Mal in Hamburg serviert – im Café des Mikrorösters Black Delight. Man erhält das Getränk vorwiegend in den Cafés, die sich der Third Wave of Coffee verschrieben haben, also vor allem bei Mikroröstern.


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Kaffee bei Schietwetter

19 Aug , 2015,
Daniela Schulz
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Ich habe jetzt eine zuverlässige Lieblingskaffeebar. Wenn es regnet, und das tut es in Hamburg häufig, frage ich den Barista, was er mir denn heute empfiehlt.

Gestern war wieder so ein Tag: Regen – von früh bis spät. João kommt aus Portugal und ist der Kaffeemeister bei Black Delight. João sagte gestern, „was Heißes“. Und ich war einverstanden. Wir mussten uns nur noch über Kaffeesorte und Zubereitung einigen. Das überließ ich vertrauensvoll wiederum João. Er beschloss, dass Filterkaffee das beste für mich sei und kredenzte mir einen Workye Shallo aus Äthiopien.

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Der Workye Shallo kommt nicht nur aus einer bestimmten Region Äthiopiens, des Ur-Landes der Kaffeebohne, sondern man kann ihn bis zur Farm zurückverfolgen, wo er herkommt. Workye Shallo ist die Kooperative, von der der Kaffee stammt.  Ähnlich wie beim Wein, wo die Herkunftsangabe schon lange üblich ist, versuchen Kenner das Prinzip auch bei Kaffee einzuführen.

Der Workye Shallo schmeckt fruchtig nach roten Beeren. Bei einem Kaffee mit solch einem feinen Eigengeschmack braucht es keine Milch. Im Gegenteil, Milch würde den Geschmack vollkommen ruinieren. Im Black Delight gibt es keine Porzellankännchen. In gläsernen Karaffen kann man die klare, hellbraune Farbe des Naturgetränks bewundern und genießen.

Der Workye Shallo wurde unter der afrikanischen Sonne getrocknet und ist daher genau das richtige  Gegengewicht für Hamburger Schietwetter.

Adresse: Black Delight, Hamburg, Eppendorfer Weg 67


 

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Kaffee für Teetrinker

3 Aug , 2015,
Daniela Schulz

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Ich gebe es zu: Ich bin Teetrinkerin. Der Morgen muss mit grünem Tee beginnen. Erst danach fühle ich mich startklar für den Tag. Ausnahmen gehen nur in Italien, wo ich mich kaffeemäßg zuhause fühle und zu Kompromissen bereit bin. Bei meiner ersten Blind-Kaffeeverkostung in der Speicherstadt Kaffeerösterei habe ich unter acht verschiedenen Kaffees den äthiopischen Sidamo auf Platz 1 meiner Favoritenliste gesetzt. Ich mag sein mildes und leichtes Aroma. Die Leiterin der Verkostung war denn auch begeistert als sie von meinem Faible für grünen Tee und meinem Schreiben Kaffeeblog erfuhr. „Das passt ja“, war denn ihr schmunzelnd-lakonischer Kommentar.

Der Sidamo Shakiso ist ein Bio-Kaffee aus Äthiopien. Auf 1.800 bis 2.000 Meter Höhe wird er in der Provinz Oromia, Guji-Zone, von Kooperativen angebaut. Äthiopien ist das Heimatland der Kaffeepflanze und Handlungsort der bekanntesten Kaffeesage. Kein Wunder also, dass der Sidamo Shakiso zu den ursprünglichen, alten Kaffeevarietäten zählt. Beim Kaffee ist eine Varietät eine Unterart der Gattung, also der Coffea Arabica. Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, dem empfehle ich, einmal die Kaffeenetz Community aufzusuchen.

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Sidamo Shakiso-Bohnen, geröstet

Der Sidamo hat nur eine ganz leichte Säure mit zitronigem Aroma. Die kleinen Bohnen verströmen dabei einen leicht schokoladigen Duft. Beim Öffnen der Kaffeeverpackung riecht man ihn am intensivsten. Von den Kaffeefachleuten wird sein Aroma in Richtung Kastanie, Muskat und Bergamotte eingeordnet. Ehrlich gesagt, ich habe bei meiner kleinen Privatverkostung davon vielleicht ein bisschen von Bergamotte erschmeckt. Das Bergamotte-Aroma war aber in einer dickwandigen Tasse eher zu schmecken als in einer klassischen dünnwandigen.

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Robuste dickwandige Kaffeetasse von Kahla

Wegen seiner frühlingshaften, blumigen Aromen eignet sich der Sidamo als Filterkaffee sowie auch für die French Press. Bei Papierfiltern sollte man aber darauf achten, dass man eine Sorte mit wenig Eigengeschmack erwischt, sonst kann der Papierfilter den Kaffeegenuss beeinträchtigen.

Ich trinke den Sidamo am liebsten als leichten Nachmittagskaffee schwarz, zum Genuss und um noch einmal einen Wach-Kick zu bekommen. Milch würde die Aromenvielfalt des Sidamo überlagern. Für  Milchkaffee sind andere Kaffeesorten geeigneter. Der Sidamo Shakiso ist in der Tat ein besonderer Kaffee, die sich auf seine Aromavielfalt einlassen wollen. Wer als Teetrinker seine Geschmacksnerven geschult hat, dem fällt das vielleicht ein wenig leichter.

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Vom Cappuccino zum Flat White

17 Jun , 2015,
Daniela Schulz
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Mit Cappuccino geht es mir wie Marcel Proust in seinen „Erinnerungen an eine verlorene Zeit“. Der Geschmack von Madeleinekrümeln, vermischt mit Tee, versetzte den Autor blitzartig in die Tage seiner Kindheit bei seiner Tante zurück. Von meiner Erinnerung an mein allererstes italienisches Cappuccino-Geschmackserlebnis in den 1980ern habe ich ja bereits erzählt. Damals war es in Deutschland praktisch unmöglich Cappuccino zu bekommen. Geschweige denn italienisch zubereitet. Seit der Jahrtausendwende kann man den milchigen Espresso beinahe an jeder Ecke kaufen. Doch es gab bislang kaum Zubereitungen, die genau dieses Geschmackserlebnis auf meinem Gaumen zum Klingen brachten.

Die Milch beim Cappuccino ist luftig aufgeschäumt

Auch bei den Cafés meines Vertrauens war ich bislang nicht fündig geworden. Der Milchschaum ist bei den meisten Cappuccini für meinen Geschmack zu luftig und vor allem zu viel im Verhältnis zum Espresso. Laut Definition im Kaffeewiki hat es damit wohl seine Ordnung. Vielleicht eine Neuentwicklung seit der Jahrtausendwende, seit der sich sehr viel in der Kaffeekultur getan hat. Meine Erinnerung ist an den Kaffee in Italien von damals ist aber eine andere. Die schert sie sich nicht um Definitionen. Es gibt durchaus auch in Deutschland das eine oder andere Café, das diesen Geschmack durch das Servieren eines italienischen Cappuccinos herbeizaubern kann. Doch oft bin ich schon enttäuscht worden.

Der Flat White ist traditioneller Cappuccino mit Latte Art

Deshalb bestelle ich seit einiger Zeit lieber einen Flat White. Eine neue Kaffeevariation aus Down Under. Der Milchschaum ist nicht so fluffig, sondern cremig. Vor allem hat der Flat White einen höheren Espressoanteil. Er schmeckt tatsächlich nach Kaffee und nicht so milchig. Und das ist für mich das Entscheidende. Die hübsche Latte Art gehört zum Flat White dazu und die nehme ich gerne mit. Der Flat White vom Foto stammt übrigens vom mobilen Kaffeeservice der Tante Käthe aus Oldenburg. War lecker.

Foto: Barbara Rök

AeroPress muss man immer neu zusammengesetzt werden

AeroPress oder French Press?

11 Jun , 2015,
Daniela Schulz
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Bei der Kaffeezubereitung Zuhause setze ich auf einfache Bedienung. Meine Lieblingskanne ist daher die French Press, zu Deutsch gerne „Pressstempelkanne“ genannt.

Ein Kaffeefreund aus den Vereinigten Staaten lud mich auf eine private Kaffeeverkostung ein mit seiner neuen AeroPress. Die beiden Kaffees, die wir testeten, waren der italienische Espresso von Lavazza sowie ein besonders rares Highlight aus Hawai: Biologisch angebauter Kona-Kaffee. Zu diesem speziellen Kaffee berichte ich demnächst noch ausführlicher.

Die AeroPress-Methode übt einen sehr hohen Druck auf das Kaffeepulver aus und kommt geschmacklich einem „echten“ Espresso sehr nahe, wenn auch nicht ganz. Der Kona-Kaffee, ein sortenreiner Kaffee, spielt hingegen in einer anderen Liga als der typische italienische Espresso, der immer eine Mischung aus Arabica- und Robusta-Bohnen ist. Für beide Kaffees fanden wir die Aeropress als geeignet.

AeroPress ohne Kaffeesatz in der Tasse

Aber was ist eigentlich das Besondere an der AeroPress? Anders als bei der French Press nehmen wir hier fein gemahlenes Kaffeepulver, das die Aromastoffe eher freigibt als grob gemahlenes. Hierdurch gelangen weniger Bitterstoffe in das Getränk. Ein weiterer Vorteil ist, es wird kein Kaffeesatz mit ausgegossen, da ein kleiner Papierfilter das Pulver verschließt.

Die Handhabung ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Vor dem Kaffeezubereiten muss die Aeropress erst zusammengesetzt werden wie ein kleiner Bausatz. Dieser besteht aus Brühkolben, Presszylinder, Filterhalter, Papierfilter und Trichter. Es bedarf ein wenig an Übung bis man den Kolben in den Zylinder gerade eingepasst hat. Für mich persönlich ist dies alles ein wenig zu viel „Getüdel“, wie man in Hamburg sagt. Man kann aus dem Zusammenbauen aber auch ein Ritual machen. Nach einiger Zeit funktioniert es mit Sicherheit wie im Schlaf.

Allerdings eignet sich die Aeropress nicht für die Bewirtung einer großen Kaffeetafel. Die Füllmenge beträgt ein bis vier Tassen. Bei der kleinen Privatverkostung stellte sich heraus, dass das Brühen von zwei Tassen unproblematisch ist. Ab drei Tassen wird das Herunterdrücken schwierig.

Als Resüme ist festzuhalten: Wenn man versiert genug ist, ist die Aeropress die ideale Maschine für einen guten Kaffee auf Reisen. Sei es in der Ferienwohnung oder beim Camping. Alle Teile sind aus robustem Kunststoff und daher leicht zu transportieren und zu reinigen.

Wer noch mehr zur AeroPress wissen möchte, kann hier weiterlesen.

 


 

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Kaffeepause in nostalgischem Ambiente

1 Jun , 2015,
Daniela Schulz
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Kaffeepause zwischendurch geht auch in einem kleinen Ladengeschäft wie etwa bei Helmke Winkelmann in ihrem neuen Laden Nutrikus in Hamburg-Eimsbüttel. Das Angebot richtet sich an Ernährungsbewusste und Allergiker. In frischem Weiß und nostalgisch eingerichtet serviert die diplomierte Oecotrophologin fair gehandelten Kaffee aus Brasilien.

Der Kaffe kommt aus dem Espresso-Vollautomaten, also kein Filterkaffee. Man kann aus zwei verschiedenen Bohnensorten wählen. Als Arabica-Fan habe ich mich für den zu 100 Prozent aus Arabica bestehenden Pure Passion von Moema entschieden. Daneben gibt es auch eine Mischung aus Robusta und Arabica mit dem vielversprechenden Namen Samba Flavour. Ebenfalls von Moema, einem deutsch-brasilianischen Espresso-Röster aus São Paulo und Berlin. Der Pure Passion schmeckt mild und kräftig zugleich. Ich fand ihn äußerst bekömmlich. Kein Wunder, denn die Oecotrophologin bietet im Laden auch Ernährungsseminare und Beratung an. Außerdem finden Kochkurse statt und ein regelmäßiges Nachbarschaftsdinner.

Nutrikus ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. U 2-Haltestelle Lutterothstraße, Methfesselstraße 96, Hamburg-Eimsbüttel

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Wiener Café am Hamburger Stadtrand

29 Mai , 2015,
Daniela Schulz
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Hamburg wird von seinen Bewohnern liebevoll mit dem Beinamen „schönste Stadt der Welt“ bedacht. Die kühle Schönheit zwischen Altster und Elbe bietet neben viel Wasser und Kultur auch eine lebendige Gastronomieszene. Aber stundenlang so richtig schön im Café sitzen, wie man es aus südlichen Gefilden kennt? Kaffeehausatmosphäre in der Hamburger Innenstadt? Fehlanzeige – abgesehen vom stets überfüllten Café im Levantehaus in der Einkaufszone. Ein Weg an den Stadtrand in die Villa lohnt sich.

Das Café die Villa belohnt den Weg mit stilvollem Ambiente, köstlichem Kuchenbuffet und solidem Kaffee von der Rösterei Darboven. Wer sich schon morgens auf den Weg nach Hamburg-Volksdorf macht, genießt die leckere Frühstücksauswahl zu vernünftigen Preisen. Wie in einem echten Wiener Kaffeehaus ist die Auswahl an hausgemachten Strudeln bestechend. Es gibt Apfelstrudel, Topfen- und Mohnstrudel sowie auch Marillen- oder Pflaumenstrudel.

Melange und Fiaker

Aber auch das Tortenbuffet ist vielversprechend. Wer allerdings die Kaffeekarte echt wienerisch erwartet, muss Abstriche machen. Es gibt zwar die Melange (Milchkaffee) und den Fiaker (Glas Café Crème mit Rum), aber ein Verlängerter (Espresso mit Wasser gestreckt) etwa oder einen Kleinen Braunen (Espresso mit separat servierter Schlagsahne) wird man vergebens auf der Karte suchen. So wienerisch muss es im äußersten Norden der Hansestadt vielleicht dann doch nicht zugehen.

Das Café befindet sich in einer Villa mit repräsentativer Auffahrt. Auf der großen Rasenfläche vor dem Gebäude kann man bei gutem Wetter die Weitläufigkeit des Grundstückes genießen und wie eine Schlossherrin bzw. Schlossherr fühlen. Drinnen sitzt man unter hohen Decken im Speisezimmer und in der ehemaligen Bibliothek des Kaufmannsfamilie von Ohlendorff, die das Anwesen 1953 an die Stadt verkauft hat. Der helle Wintergarten gehört ebenfalls zum Café, das erst vor einem Jahr, nach dem Ende aufwändiger Renovierungen, eröffnete.

 

Die Villa, Im Alten Dorfe 28, Hamburg-Volksdorf. Öffentliche Verkehrsmittel: U 1 bis U-Bahnstation Volksdorf; kein eigener Parkplatz

Öffnungszeiten
Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa & So 10-18 Uhr