Autor: Daniela Schulz

fleckenmusang

Katzenkaffee Kopi Luwak

12 Aug , 2015,
Daniela Schulz
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Immer wieder wurde ich gefragt, wann ich endlich einen Artikel über den berühmten Kopi Luwak, vulgo Katzenkaffee, schreibe. Lange habe ich gezögert, weil ich fürchtete, die Thematik würde einen Blogpost sprengen.

Nun zu den Fakten: Dieser Kaffee ist nichts für Veganer und nur begrenzt etwas für Tierfreunde. Kopi steht in Indonesien für Kaffee. Der Luwak ist trotz seines kuscheligen Fells keine Katze, sondern ein Fleckenmusang, ein affenähnliches Tier, das gerne für sich bleibt und sich abwechslungsreich ernährt. Daher der Name Kopi Luwak. Seitdem man mit seinen Exkrementen, in denen sich Kaffeebohnen befinden, sehr viel Geld machen kann, ist es um seinen ursprünglichen Lebensstil geschehen. Geldgierige Menschen sperren das scheue Tier in enge Käfige mit anderen Artgenossen. Der Luwak, der eine abwechslungsreiche Diät aus  Früchten, Insekten, Würmern und Vogeleiern liebt, wird in der Gefangenschaft mit Kaffeekirschen gemästet.Keine geeignete Nahrung für einen Allesfresser. In den Kirschen befinden sich die späteren Kaffeebohnen, sie werden nach dem Verdauungsprozess augeschieden. Man nennt das dann natürliche Fermentierung.

hauskaninchen

Hauskaninchen Nicky und Pascal

Als wir unsere Zwergkaninchen Nicky und Pascal aus dem Tierheim holten, wurde uns von den Mitarbeitern eingeschärft, sie ja nicht einseitig zu ernähren und ihnen genug Platz zu lassen. Man stelle sich vor, ich würde Nicky und Pascal ausschließlich mit Kaffeekirschen mästen. Sie würden es nicht lange überleben und die Tierschützer würden mir obendrein die Höllei heiß machen und mir die Polizei ins Haus schicken.

Nun leben die Luwaks nicht in Deutschland, sondern in Indonesien. Das ist weit genug weg, um nicht allzu genau hinzuschauen. Der größte Teil des gehandelten Kopi Luwak stammt von von Tieren aus Gefangenschaft, sprich Massentierhaltung. Manchmal sind es mittlerweile auch keine Luwaks mehr, sondern das Fachmagazin Crema schreibt, dass auch Schweine manchmal in den zweifelhaften Genuss der Kaffeekirschen kommen.

Wie kam es überhaupt zu dem Hype um den Kopi Luwak? Luwaks scheinen tatsächlich auf den Geschmack der reifen Kaffeefrüchte gekommen zu sein. Ähnlich wie die Ziegen in Afrika. Zur Erntezeit räuberten sie in den Kaffeefeldern und die Kaffeebauern fanden einen Teil der geraubten Ernte im Urwald wieder, wo die Luwaks ihre Ausscheidungen hinterließen.

„Gesäubert und gewaschen bekamen die durch den Tierdarm vorfermentierten Kaffeebohnen einen einzigartigen und hochgelobten Geschmack. Weil diese Bohnen ein Produkt aus der Wildnis waren und daher schwer zu ernten (…) war der Kopi Luwak zunächst keine Handelsware, sondern lediglich eine interessante Kaffeekuriosität“, schrieb der Kopi-Luwak-Entdecker Tony Wild in seinem Gastbeitrag für den britischen „The Guardian“. Wild nahm ein Kilogramm Rohkaffee mit nach Nordengland und erzählte einigen regionalen Medien in Yorkshire von der Kaffebesonderheit. Daraus entwickelte sich, so jedenfalls Wild, eine nicht mehr zu steuernde Woge des Interesses weltweit. Der „Katzenkaffee“ hat den Kaffeehändler Wild berühmt gemacht. Über den Guardian gab er vor zwei Jahren bekannt, dass er es war, der diese Welle anstieß und dass ihm das nun leid tue. Er möchte das Ganze am liebsten wieder stoppen.

Aber das Ganze ist nicht mehr zu stoppen. Bei einem Kilopreis von über 400 Euro sind die Gewinnmargen und damit die Gier einfach zu groß, als dass sich diese Tierquälerei einfach von heute auf morgen rückgängig machen ließe. Immerhin haben sich die europäischen und amerikanischen Spezialitätenkaffeeverbände SCAE und SCAA eindeutig gegen Kopi Luwak ausgesprochen und es laufen diverse Kampagnen gegen diese Art von Tierquälerei.

Zum Schluss noch etwas zum Geschmack. Aus Neugier und damaliger Unwissenheit habe auch ich schon mal einen Kopi Luwak im Café bestellt. Ich hatte kein besonderes Erweckungserlebnis hinsichtlich des Geschmacks. Wer guten Kaffee sucht, der hat genügend Auswahl und braucht keinen Kopi Luwak. Es sei denn er oder sie möchte sein/ihr dickes Konto herausstellen.

 

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Kaffee für Teetrinker

3 Aug , 2015,
Daniela Schulz

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Ich gebe es zu: Ich bin Teetrinkerin. Der Morgen muss mit grünem Tee beginnen. Erst danach fühle ich mich startklar für den Tag. Ausnahmen gehen nur in Italien, wo ich mich kaffeemäßg zuhause fühle und zu Kompromissen bereit bin. Bei meiner ersten Blind-Kaffeeverkostung in der Speicherstadt Kaffeerösterei habe ich unter acht verschiedenen Kaffees den äthiopischen Sidamo auf Platz 1 meiner Favoritenliste gesetzt. Ich mag sein mildes und leichtes Aroma. Die Leiterin der Verkostung war denn auch begeistert als sie von meinem Faible für grünen Tee und meinem Schreiben Kaffeeblog erfuhr. „Das passt ja“, war denn ihr schmunzelnd-lakonischer Kommentar.

Der Sidamo Shakiso ist ein Bio-Kaffee aus Äthiopien. Auf 1.800 bis 2.000 Meter Höhe wird er in der Provinz Oromia, Guji-Zone, von Kooperativen angebaut. Äthiopien ist das Heimatland der Kaffeepflanze und Handlungsort der bekanntesten Kaffeesage. Kein Wunder also, dass der Sidamo Shakiso zu den ursprünglichen, alten Kaffeevarietäten zählt. Beim Kaffee ist eine Varietät eine Unterart der Gattung, also der Coffea Arabica. Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, dem empfehle ich, einmal die Kaffeenetz Community aufzusuchen.

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Sidamo Shakiso-Bohnen, geröstet

Der Sidamo hat nur eine ganz leichte Säure mit zitronigem Aroma. Die kleinen Bohnen verströmen dabei einen leicht schokoladigen Duft. Beim Öffnen der Kaffeeverpackung riecht man ihn am intensivsten. Von den Kaffeefachleuten wird sein Aroma in Richtung Kastanie, Muskat und Bergamotte eingeordnet. Ehrlich gesagt, ich habe bei meiner kleinen Privatverkostung davon vielleicht ein bisschen von Bergamotte erschmeckt. Das Bergamotte-Aroma war aber in einer dickwandigen Tasse eher zu schmecken als in einer klassischen dünnwandigen.

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Robuste dickwandige Kaffeetasse von Kahla

Wegen seiner frühlingshaften, blumigen Aromen eignet sich der Sidamo als Filterkaffee sowie auch für die French Press. Bei Papierfiltern sollte man aber darauf achten, dass man eine Sorte mit wenig Eigengeschmack erwischt, sonst kann der Papierfilter den Kaffeegenuss beeinträchtigen.

Ich trinke den Sidamo am liebsten als leichten Nachmittagskaffee schwarz, zum Genuss und um noch einmal einen Wach-Kick zu bekommen. Milch würde die Aromenvielfalt des Sidamo überlagern. Für  Milchkaffee sind andere Kaffeesorten geeigneter. Der Sidamo Shakiso ist in der Tat ein besonderer Kaffee, die sich auf seine Aromavielfalt einlassen wollen. Wer als Teetrinker seine Geschmacksnerven geschult hat, dem fällt das vielleicht ein wenig leichter.

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Vom Cappuccino zum Flat White

17 Jun , 2015,
Daniela Schulz
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Mit Cappuccino geht es mir wie Marcel Proust in seinen „Erinnerungen an eine verlorene Zeit“. Der Geschmack von Madeleinekrümeln, vermischt mit Tee, versetzte den Autor blitzartig in die Tage seiner Kindheit bei seiner Tante zurück. Von meiner Erinnerung an mein allererstes italienisches Cappuccino-Geschmackserlebnis in den 1980ern habe ich ja bereits erzählt. Damals war es in Deutschland praktisch unmöglich Cappuccino zu bekommen. Geschweige denn italienisch zubereitet. Seit der Jahrtausendwende kann man den milchigen Espresso beinahe an jeder Ecke kaufen. Doch es gab bislang kaum Zubereitungen, die genau dieses Geschmackserlebnis auf meinem Gaumen zum Klingen brachten.

Die Milch beim Cappuccino ist luftig aufgeschäumt

Auch bei den Cafés meines Vertrauens war ich bislang nicht fündig geworden. Der Milchschaum ist bei den meisten Cappuccini für meinen Geschmack zu luftig und vor allem zu viel im Verhältnis zum Espresso. Laut Definition im Kaffeewiki hat es damit wohl seine Ordnung. Vielleicht eine Neuentwicklung seit der Jahrtausendwende, seit der sich sehr viel in der Kaffeekultur getan hat. Meine Erinnerung ist an den Kaffee in Italien von damals ist aber eine andere. Die schert sie sich nicht um Definitionen. Es gibt durchaus auch in Deutschland das eine oder andere Café, das diesen Geschmack durch das Servieren eines italienischen Cappuccinos herbeizaubern kann. Doch oft bin ich schon enttäuscht worden.

Der Flat White ist traditioneller Cappuccino mit Latte Art

Deshalb bestelle ich seit einiger Zeit lieber einen Flat White. Eine neue Kaffeevariation aus Down Under. Der Milchschaum ist nicht so fluffig, sondern cremig. Vor allem hat der Flat White einen höheren Espressoanteil. Er schmeckt tatsächlich nach Kaffee und nicht so milchig. Und das ist für mich das Entscheidende. Die hübsche Latte Art gehört zum Flat White dazu und die nehme ich gerne mit. Der Flat White vom Foto stammt übrigens vom mobilen Kaffeeservice der Tante Käthe aus Oldenburg. War lecker.

Foto: Barbara Rök

AeroPress muss man immer neu zusammengesetzt werden

AeroPress oder French Press?

11 Jun , 2015,
Daniela Schulz
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Bei der Kaffeezubereitung Zuhause setze ich auf einfache Bedienung. Meine Lieblingskanne ist daher die French Press, zu Deutsch gerne „Pressstempelkanne“ genannt.

Ein Kaffeefreund aus den Vereinigten Staaten lud mich auf eine private Kaffeeverkostung ein mit seiner neuen AeroPress. Die beiden Kaffees, die wir testeten, waren der italienische Espresso von Lavazza sowie ein besonders rares Highlight aus Hawai: Biologisch angebauter Kona-Kaffee. Zu diesem speziellen Kaffee berichte ich demnächst noch ausführlicher.

Die AeroPress-Methode übt einen sehr hohen Druck auf das Kaffeepulver aus und kommt geschmacklich einem „echten“ Espresso sehr nahe, wenn auch nicht ganz. Der Kona-Kaffee, ein sortenreiner Kaffee, spielt hingegen in einer anderen Liga als der typische italienische Espresso, der immer eine Mischung aus Arabica- und Robusta-Bohnen ist. Für beide Kaffees fanden wir die Aeropress als geeignet.

AeroPress ohne Kaffeesatz in der Tasse

Aber was ist eigentlich das Besondere an der AeroPress? Anders als bei der French Press nehmen wir hier fein gemahlenes Kaffeepulver, das die Aromastoffe eher freigibt als grob gemahlenes. Hierdurch gelangen weniger Bitterstoffe in das Getränk. Ein weiterer Vorteil ist, es wird kein Kaffeesatz mit ausgegossen, da ein kleiner Papierfilter das Pulver verschließt.

Die Handhabung ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Vor dem Kaffeezubereiten muss die Aeropress erst zusammengesetzt werden wie ein kleiner Bausatz. Dieser besteht aus Brühkolben, Presszylinder, Filterhalter, Papierfilter und Trichter. Es bedarf ein wenig an Übung bis man den Kolben in den Zylinder gerade eingepasst hat. Für mich persönlich ist dies alles ein wenig zu viel „Getüdel“, wie man in Hamburg sagt. Man kann aus dem Zusammenbauen aber auch ein Ritual machen. Nach einiger Zeit funktioniert es mit Sicherheit wie im Schlaf.

Allerdings eignet sich die Aeropress nicht für die Bewirtung einer großen Kaffeetafel. Die Füllmenge beträgt ein bis vier Tassen. Bei der kleinen Privatverkostung stellte sich heraus, dass das Brühen von zwei Tassen unproblematisch ist. Ab drei Tassen wird das Herunterdrücken schwierig.

Als Resüme ist festzuhalten: Wenn man versiert genug ist, ist die Aeropress die ideale Maschine für einen guten Kaffee auf Reisen. Sei es in der Ferienwohnung oder beim Camping. Alle Teile sind aus robustem Kunststoff und daher leicht zu transportieren und zu reinigen.

Wer noch mehr zur AeroPress wissen möchte, kann hier weiterlesen.

 


 

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Ausflugstipp: Marschcafe bei Hamburg

6 Jun , 2015,
Daniela Schulz
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Das Wetter verspricht sonnig zu werden und lockt nach draußen. Ein Fahrradausflug in die Elbmarsch westlich von Hamburg ist jetzt genau das Richtige. Viele gut geführte Cafés laden zur Kaffeepause ein. Das Marschcafe ist ein besonderer Ausflugstipp. In dieser 300 Jahre alten Reetdachkate verbirgt sich ein Paradies für Tortenfreunde. Die Rote-Grütze-Torte  ist nicht nur bombastisch hinsichtlich der Menge, sondern auch vom Geschmack. Für Nicht-Süßmäuler gibt es zur Spargelzeit die hausgemachte Spargelquiche. Bei schönem Wetter sitzt man auf der Südterrasse mit Blick auf die Landschaft der Elbmarsch. Ab und zu sieht man auch ein Fohlen auf der Koppel springen, denn die Familie betreibt auch einen Bauernhof mit Pferdezucht.

Hohenhorster Chaussee 28, 25489 Haselau-Hohenhorst, Tel. 04129-757

Öffnungszeiten: Ab März Dienstag bis Sonntag ab 14:00 Uhr, Montag Ruhetag. Jeweils am letzten Sonntag des Monat gibt es ab 10 Uhr ein Frühstücksbuffet. Reservierung empfohlen. Im Winterhalbjahr nur Freitag bis Sonntag geöffnet.

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Kaffeepause in nostalgischem Ambiente

1 Jun , 2015,
Daniela Schulz
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Kaffeepause zwischendurch geht auch in einem kleinen Ladengeschäft wie etwa bei Helmke Winkelmann in ihrem neuen Laden Nutrikus in Hamburg-Eimsbüttel. Das Angebot richtet sich an Ernährungsbewusste und Allergiker. In frischem Weiß und nostalgisch eingerichtet serviert die diplomierte Oecotrophologin fair gehandelten Kaffee aus Brasilien.

Der Kaffe kommt aus dem Espresso-Vollautomaten, also kein Filterkaffee. Man kann aus zwei verschiedenen Bohnensorten wählen. Als Arabica-Fan habe ich mich für den zu 100 Prozent aus Arabica bestehenden Pure Passion von Moema entschieden. Daneben gibt es auch eine Mischung aus Robusta und Arabica mit dem vielversprechenden Namen Samba Flavour. Ebenfalls von Moema, einem deutsch-brasilianischen Espresso-Röster aus São Paulo und Berlin. Der Pure Passion schmeckt mild und kräftig zugleich. Ich fand ihn äußerst bekömmlich. Kein Wunder, denn die Oecotrophologin bietet im Laden auch Ernährungsseminare und Beratung an. Außerdem finden Kochkurse statt und ein regelmäßiges Nachbarschaftsdinner.

Nutrikus ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. U 2-Haltestelle Lutterothstraße, Methfesselstraße 96, Hamburg-Eimsbüttel

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Wiener Café am Hamburger Stadtrand

29 Mai , 2015,
Daniela Schulz
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Hamburg wird von seinen Bewohnern liebevoll mit dem Beinamen „schönste Stadt der Welt“ bedacht. Die kühle Schönheit zwischen Altster und Elbe bietet neben viel Wasser und Kultur auch eine lebendige Gastronomieszene. Aber stundenlang so richtig schön im Café sitzen, wie man es aus südlichen Gefilden kennt? Kaffeehausatmosphäre in der Hamburger Innenstadt? Fehlanzeige – abgesehen vom stets überfüllten Café im Levantehaus in der Einkaufszone. Ein Weg an den Stadtrand in die Villa lohnt sich.

Das Café die Villa belohnt den Weg mit stilvollem Ambiente, köstlichem Kuchenbuffet und solidem Kaffee von der Rösterei Darboven. Wer sich schon morgens auf den Weg nach Hamburg-Volksdorf macht, genießt die leckere Frühstücksauswahl zu vernünftigen Preisen. Wie in einem echten Wiener Kaffeehaus ist die Auswahl an hausgemachten Strudeln bestechend. Es gibt Apfelstrudel, Topfen- und Mohnstrudel sowie auch Marillen- oder Pflaumenstrudel.

Melange und Fiaker

Aber auch das Tortenbuffet ist vielversprechend. Wer allerdings die Kaffeekarte echt wienerisch erwartet, muss Abstriche machen. Es gibt zwar die Melange (Milchkaffee) und den Fiaker (Glas Café Crème mit Rum), aber ein Verlängerter (Espresso mit Wasser gestreckt) etwa oder einen Kleinen Braunen (Espresso mit separat servierter Schlagsahne) wird man vergebens auf der Karte suchen. So wienerisch muss es im äußersten Norden der Hansestadt vielleicht dann doch nicht zugehen.

Das Café befindet sich in einer Villa mit repräsentativer Auffahrt. Auf der großen Rasenfläche vor dem Gebäude kann man bei gutem Wetter die Weitläufigkeit des Grundstückes genießen und wie eine Schlossherrin bzw. Schlossherr fühlen. Drinnen sitzt man unter hohen Decken im Speisezimmer und in der ehemaligen Bibliothek des Kaufmannsfamilie von Ohlendorff, die das Anwesen 1953 an die Stadt verkauft hat. Der helle Wintergarten gehört ebenfalls zum Café, das erst vor einem Jahr, nach dem Ende aufwändiger Renovierungen, eröffnete.

 

Die Villa, Im Alten Dorfe 28, Hamburg-Volksdorf. Öffentliche Verkehrsmittel: U 1 bis U-Bahnstation Volksdorf; kein eigener Parkplatz

Öffnungszeiten
Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa & So 10-18 Uhr

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Latte Art – Kunst mit Milchschaum

26 Mai , 2015,
Daniela Schulz
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Tulpen, Farnblätter, Rosetten oder Herzen als Veredelung des Cappuccino und des Latte Macchiato – welcher Kaffeeliebhaber kennt sie nicht? All das läuft unter Latte Art. Die Wortschöpfung aus italienisch für Milch und englisch für Kunst ist kein Zufall, denn die Latte Art entstand im Zusammenspiel von Baristas aus den USA und Italien gegen Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre.

In Seattle, Heimat von Nirvana und Microsoft, machte sich David Schomer zusammen mit Jack Kelly um die Einführung der Latte Art in den USA verdient. Kelly wird die Erfindung des „Mikroschaums“ zugeschrieben, Grundvoraussetzung für professionelle Latte Art. Für das Rosettenmotiv nahm Schomer eine Vorlage aus Italien.

Latte Art Champion aus Deutschland

Auf der cremig-braunen Oberfläche des frischen Espresso gießt der bzw. die Barista den sorgsam zubereiteten Mikroschaum. Je nach Technik des Eingießens entsteht ein Herz, ein Farn oder ein anderes Muster. Die Latte Art entwickelt sich durch den Einsatz von zusätzlichem Werkzeug wie Nadeln oder Zahnstocher immer mehr zur Kunst. Mittlerweile zeichnen Baristas sogar menschliche und tierische Gestalten auf den Milchschaum.

Christian Ullrich

 

Mit seinem Schildkrötenmotiv gewann Christian Ullrich im vergangenen Jahr als erster Deutscher den Titel des Latte-Art-Weltmeisters im australischen Melbourne. In Hamburg traf ich den sympathischen Barista auf der Internorga. Dort präsentierte der Nürnberger seine weltmeisterliche Schildkröte auf dem Cimbali-Stand.

Der Erfolg des Weltmeisters liegt jedoch nicht allein an der Fingerfertigkeit beim Zeichnen. Die Kunst fängt schon mit dem Eingießen der Milch an. Als typische Anfängerfehler bezeichnet der Weltmeister, den Arm beim Gießen zu heben oder zu langsam zu gießen, sodass sich die flüssige Milch unter dem Schaum durchdrückt.

Milch und Crema

Für Latte Art nimmt Christian Ullrich einen 100-prozentigen Arabica, sagt er. Die Crema ist dann nicht zu dick ist und gleichzeitig wird sie schön weich. „So kann ich viel feiner gießen“, sagt er. „Die Crema von einem Robusta ist meist zu fest und die Milch schafft es nicht, die Crema zur Seite zu drücken, dann würden die  Muster schief.“

Für Latte Art sollte der Kaffee auf jeden Fall frisch sein. Frischer Kaffee weist mehr ätherische Öle auf als abgestandener. Da sich ätherische Öle verflüchtigen wird er nach einer Weile zu wässrig. „Das Muster könnte sich so leicht verschieben“, gibt Christian Ullrich zu bedenken.

Beim Test-Genießen auf der Internorga blieb die Schildkröte stabil. Nachdem ich den Cappuccino halb ausgetrunken hatte, war die Gute immer noch topp in Form.

 

Titelfoto: Christian Ullrich, Porträtfoto von Christian Ullrich: Daniela Schulz

 


 

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Muttertags-Kaffee

10 Mai , 2015,
Daniela Schulz
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Bei meiner Mutter bedeutete Muttertag immer Torte vorbereiten und sehr viel Kaffee kochen.Schließlich mussten sich doch die mittlerweile erwachsenen Kinder am süßen Gebäck satt essen können.  Zum Glück übernahm das Kaffeekochen irgendwann die elektrische Kaffeemaschine und ich als jüngstes Kind hatte das Privileg, sie zu bedienen.

Spezialitätenkaffee

Heutzutage würde ich meine Mutter zu Spezialitätenkaffee und Käsekuchen ins Café einladen und ihr ganz viele Fragen stellen, sie das für sie war, Mutter von fünf Kindern zu sein. Leider ist sie nicht mehr unter uns und ich kann sie weder zum Kaffee einladen noch ihr meine Fragen stellen.

 Dieser Beitrag ist ein virtueller Gruß an meine Mutter und mein Ausdruck von Respekt für ihre Lebensleistung.

 


 

VerkostungSpeicherstadtrösterei

Reise zu den Kaffee-Aromen

6 Mai , 2015,
Daniela Schulz
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Ist Kaffee gleich Kaffee? Zur Klärung dieser Frage besuchte ich eine öffentliche Kaffee-Verkostung in der Hamburger Speicherstadt.

Acht unterschiedliche Sorten Kaffees bereitet der Kaffee-Sommelier zur Blindverkostung auf dem langen Tresen der Speicherstadt Kaffeerösterei vor. Zum Cupping, wie die Kaffee-Verkostung in Fachkreisen auch heißt, gießt er das heiße Wasser direkt auf das fein gemahlene Kaffeepulver in den weißen Porzellankännchen. Nach einigen Minuten hat sich der Kaffeesatz auf den Boden abgesetzt und der frisch gebraute, duftende Kaffee wird in dickwandige Porzellanbecher umgefüllt.

Ausgestattet mit Stift und Zettel sowie einem Wasserglas und einem Verkostungs-Löffel machen wir Kaffeenovizen uns bereit, die Welt der Kaffee-Aromen zu erschmecken. Das Wasserglas ist für die Reinigung des Gaumens zwischen zwei Proben, denn mehr als 1000 verschiedene Aromen soll das Wundergetränk bereithalten. Da gilt es wachsam zu sein. Annette Simbolon von der Speicherstadt Kaffeerösterei erklärt uns, worauf wir achten sollen. Vorweg gibt sie uns Laien den Tipp, besonders das Säureverhältnis heraus zu schmecken. „Säuren sind Aromaträger“, erklärt sie den staunenden Kaffeetrinkern.

Säuren sind Aromaträger

Bisher hatten wir uns vor Säuren im Kaffee immer in Acht genommen und ihn hübsch mit Milchschaum magenfreundlicher aufbereitet. Frau Simbolon beruhigt uns, nicht alle Säuren sind magenreizend und diese werden beim Rösten weitgehend reduziert. Allerdings nur beim langsamen Röstprozess. Der Trommelröster der Speicherstadt Kaffeerösterei röstet die Bohnen etwa 20 Minuten lang bei 200 Grad, erklärt sie. Die kostengünstigere Schnellröstung, wie sie bei den großen Kaffeemarken üblich ist, lässt deutlich mehr von den Säuren übrig.

Die Röstmethode hat auch Einfluss auf den Geschmack, lernen wir. Während die meisten Menschen beim Wein zumindest zwischen lieblich und trocken unterscheiden können, fehlen uns für Kaffee die Worte. So gibt Frau Simbolon für den Anfang schon mal die Begriffe „nussig“, „fruchtig“ und „karamellartig“ uns Hobby-Tastern mit auf den Weg. Nicht, ohne auf zig Unterarten dieser drei Hauptgeschmacksrichtungen hinzuweisen. Fortgeschrittene sind denn auch in der Lage, „Körper“ und „Fülle“ des Kaffees heraus zu schmecken.

Jetzt kann es losgehen: Ich rieche an Tasse Nummer eins, nehme einen vorsichtigen Schluck und bewege ihn im Mund hin und her, so wie es Frau Simbolon uns geraten hat. „Den Geruch finde ich cremig, den Geschmack eher nussig“, notiere ich auf meinem Zettel. Weiter zu Probe zwei, mein Hintermann drängelt schon. Bei Nummer zwei meine ich einen leicht „kellerartig-muffigen“ Geschmack zu erkennen. Weiter zu drei. Liegt es daran, dass ich nach zwei Proben nichts mehr schmecke?

Arabica oder Robusta?

Ich finde Nummer drei schmeckt neutral. Später wird sich herausstellen, dass dieser Kaffee aus Guatemala genau deshalb gerne für Kaffeemischungen verwendet wird. Bei Nummer vier schmecke ich malziges heraus. Es handelt sich um einen milden Kaffee aus Peru. Nummer fünf ist etwas ganz besonderes. Der berühmte „Katzenkaffee“ aus Indonesien von der Insel Sumatra: Kopi Luwak. Die Kaffeebohnen fermentieren im Darm einer Schleichkatzenart. Die Kaffeebauern sammeln die ausgeschiedenen Bohnen im Urwald ein. Nicht gerade mein Topkandidat. Auch Nummer sechs hat etwas mit Tieren zu tun. Der sogenannte Orang-Utan Kaffee. Er kommt ebenfalls aus dem Regenwald von Sumatra, aus der Heimat der Orang-Utans.

Hier schmecke ich endlich etwas säureartig-fruchtiges heraus. Bei den letzten beiden schmecke ich nur noch einen milden, malzigen Ton. Kein Wunder, bei Nummer acht handelt es sich um einen Robusta-Kaffee aus Indien. Die Robusta-Bohne ist grundsätzlich säureärmere Variante der Kaffeebohne. Die vorangegangenen Kaffees waren alles Arabica-Kaffees, einschließlich der Nummer sieben aus Papua Neuguinea.

Meine beiden persönlichen Lieblingskaffees kamen übrigens aus Äthiopien, dem Ursprungsland des Kaffees. Yirga Cheffe in Tasse zwei und der Sidamo, mein absoluter Favorit in Tasse Nummer eins.