Autor: Daniela Schulz

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Kaffeefarmer aus Honduras

7 Aug , 2017,
Daniela Schulz
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Was ist eigentlich ein Kaffeeland? Für mich war das lange Zeit Italien. Dort habe ich das erste Mal den perfekten Cappuccino mit meiner Mutter getrunken. Nie werde ich vergessen, wie es auf meiner Nach-Abireise auf Sizilien Frühstück mit Caffè Latte gab. Zugegebenermaßen, lange Zeit war mein Kaffeehorizont bis auf südlich der Alpen begrenzt – etwa bis Sizilien. Bestenfalls bis Nordafrika, wo ich in Tunis auch schon sehr leckeren Espresso getrunken habe. Tatsächlich stammt aber die Kaffeepflanze von noch weiter südlich.

„Kaffeegürtel“ nennen KaffeeexpertInnen die Zone , die nördlich und südlich des Äquators liegt. In dieser Zone gedeiht die Kaffeepflanze. Ihr Ursprung liegt in Äthiopien. Ein großes Kaffeeland im sprichwörtlichen Sinne ist mittlerweile aber auch Honduras. Denn das größte mittelamerikanische Land liegt mit seinen Lieferungen nach Deutschland auf Platz drei hinter Vietnam und Brasilien. Etwa 110.000 Familien sind dort in der Kaffeeproduktion tätig.

Kaffeefarmer von COMSA -Honduras Foto Daniela Schulz

COMSA-KaffeefarmerInnen in Hamburg

Kaffeeland Honduras

Viele honduranische Kaffeefarmen liegen in der Region La Paz bzw. um die Provinzhauptstadt Marcala herum. Kaffee aus Marcala ist sogar mittlerweile mit einer geschützten Herkunftsbezeichnung geadelt, weiß der Kaffeeatlas zu berichten. Und genau dort ist der Sitz der Kaffee-Aktiengesellschaft Café Organico Marcala S.A., kurz COMSA. Ich hatte das Glück einige Vertreterinnen und Vertreter der Kaffeefarmer-Organisation in Hamburg zu treffen, bei einer Kaffeeverkostung in der Rösterei Quijote.

Das erste, was mir bei den Kaffeefarmern aus Honduras auffiel, war ihre unkomplizierte Herzlichkeit. Ich hatte sofort das Gefühl, sie schon länger zu kennen. Das Zweite war ihre hohe Wertschätzung von Bildung und drittens das Verantwortungsbewusstsein sowie die Liebe und Fürsorge für die nachfolgenden Generationen. Das ist es auch, was den Kaffee-Anbau der über 600 Farmer und Farmerinnen von COMSA ausmacht: Nachhaltigkeit und die „Materia gris“, wie sie es auf Spanisch nennen. „Materia gris“ sind die kleinen grauen Zellen. Die Mitglieder von COMSA erweitern ständig ihr Wissen über den Kaffee-Anbau und sie machen sich sehr viel Gedanken, wie sie den Anbau schonend für Natur und Klima gestalten können. „Materia gris“ bedeutet auch, dass die Kaffee-Community für ihre Kinder eine eigene Schule mit modernen Unterrichtskonzepten errichtet hat, wie COMSA-Geschäftsführer Rodolfo Peñalba stolz erzählt.

Stete Schulung und Wissens-Austausch

Durch Schulung und stetigen Austausch mit Röstern wie Quijote und deren regelmäßigen Besuchen auf den Kaffeefarmen hat sich die Kaffeequalität der COMSA-Farmer wesentlich erhöht. Das Leben der Familien der Kaffeefarmer hat sich ebenso deutlich verbessert. Denn für qualitätvollen Kaffee erzielen sie höhere Preise auf dem Weltmarkt.

Rösterin bei Kaffeefarmern

Stefanie Hesse bei Kaffeefarmern

Schon seit Anfang des Jahrtausends besteht ein Bündnis mit der Entwicklungsorganisation CEDECO aus Costa Rica.  Alle Mitglieder und MitarbeiterInnen von COMSA werden seitdem für die Entwicklung integraler organischer Pflanzungen geschult. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einbeziehung der Familie und die Stärkung der Frauen.  So sind von den 614 registrierten Mitgliedern der COMSA mehr als ein Viertel Frauen. Viele von ihnen sind in der Organisation Women in Coffee aktiv. So auch Miriam Elizabeth Pérez. Die Agrar-Ingenieurin betreibt  biodynamische Landwirtschaft auf ihrer Farm und ihr Kaffee zählt zu den Spitzenkaffees.

Die neue Kaffeekultur wird oft mit der von edlen Weinen verglichen. Beide Produkte stammen in ihren Spitzenqualitäten aus begünstigten Lagen und gehen zur Verarbeitung durch die Hände geschulter Spezialisten. Kleinere Farmen haben die Chance, damit ihre Existenzgrundlage zu konsolidieren, denn für besonders hohe Qualitäten erzielen sie entsprechend höhere Preise.

Kaffeepflanzen in Honduras

Schattenlage auf Kaffeefarm in Honduras

Qualität beginnt bereits beim Anbau. Kaffee ist eine Pflanze, die in Schattenlagen ihren Ursprung hat. Pralle Sonne tut ihr nicht gut. Deshalb wird sie bei den COMSA-Kaffeefarmern auch im Schatten angepflanzt. Es geht weiter über die handverlesene Ernte der Kaffeekirschen bis hin zur Verarbeitung zum Rohkaffee. Hier ist die Art der Trocknung wesentlich für das Qualitäts- und natürlich auch das Geschmacksergebnis. In einem meiner nächsten Blogbeiträge erkläre ich die Unterschiede zwischen den Verfahren „washed“, „natural“ und „honey“. Alle drei Trocknungsverfahren kommen bei den COMSA-Kaffeefarmern zum Einsatz.

Bei der Verkostung der neuen Ernte schmeckte mir das Ergebnis der „Honey“-Methode am besten. Aber das muss jede/r für sich selbst herausfinden. So, und nach diesem Cupping habe ich nun auch Honduras auf meiner Kaffee-Landkarte.

Per Container nach Hamburg

Eichhörnchen-Logo-von-COMSA

Logo von COMSA

Mittlerweile sind drei Container von der neuen Ernte aus Honduras im Hamburger Hafen angekommen. Von dort aus geht es direkt zur Rösterei in Hamburg-Rothenburgsort. Den Kaffee von COMSA gibt es übrigens bei Quijote als Blend für Filterkaffee und Espresso-Zubereitung.

Aber auch andere Röster, wie die Hamburger Nord Coast Coffee Roastery und die Tegernseer Kaffeerösterei und weitere haben Kaffee von COMSA im Verkauf. Wohl bekomm’s.

 

Titelbild: Fotograf – Andreas van Heyden


 

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Kaffeesatz lesen

25 Jan , 2016,
Daniela Schulz

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Der Januar liegt bereits im Endspurt, aber noch ist Zeit genug, um das Thema Jahreshoroskop angzugehen. Was liegt näher bei einem Kaffeeblog als das altbekannte Kaffeesatz lesen?

Am besten geht Kaffeesatz lesen mit einer Tasse traditionell zubereitetem Mokka. Die Türken – und auch Griechen – kochen das Kaffeepulver mit Zucker in einem langstieligen Topf auf, der Ibrik genannt wird. Danach kommt das Gebräu ungesiebt in die kleine Mokkatasse. Nun schnell austrinken. Am Tassenboden hat sich das Kaffeepulver abgesetzt. Da sind allerdings noch keine Strukturen zu erkennen, deshalb Mokkatasse umstürzen auf die Untertasse. Erst durch das Umstürzen entstehen die Formen, aus denen angeblich die Zunkunft des Kaffeetrinkers sichtbar wird.

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Glücksschwein im Kaffeesatz

Nun hat man die Wahl, ob man den Kaffeesatz auf der Untertasse oder den in der Mokkatasse verbliebenen Kaffeesatz interpetiert, also liest. Ich habe mich beim Selbstversuch für beide Methoden entschieden. Am Boden meiner Mokkatasse ist ein Herz zu erkennen. Das sieht gut aus. Also beste Aussichten für das Gefühlsleben 2016. Auf der Untertasse gleicht die Form einem Tier. Ein Hund oder vielleicht ein kleines Schweinchen. Ich entscheide mich für das Glücksschwein. Also Liebe und Glück fürs Jahr 2016. Gibt es ein besseres Horoskop?

Der Brauch des Kaffesatzlesens stammt ursprünglich – genauso wie der Kaffee – aus dem Nahen Osten. Über Ägypten kam die Tradition in die Türkei. In den Cafés in Istanbul sieht man ab und zu Leute jeden Alters, wie sie ihre leeren Mokkatassen umdrehen, um in den Kaffeeresten Muster oder sogar Figuren zu erkennen. Von der Tasse tropfender Kaffee kann etwa als Tränen gedeutet werden. Es mag dahingestellt sein, ob Freudentränen oder Tränen aus Trauer.

Für viele ist das Kaffeesatzlesen ein Grund, sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Wegen der Vielfalt der Kaffeesatzformen wird der Gesprächsstoff nie ausgehen. Vielleicht sollten wir in hiesigen Kaffees auch mehr Mokka trinken, um in die Zukunft blicken zu können. Zumindest für anregende Unterhaltung wäre dann gesorgt. Probiert es einfach mal aus!

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Caffè Sospeso

18 Dez , 2015,
Daniela Schulz
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Jedes Jahr kurz vor Weihnachten gibt es in Italien den „Tag des aufgeschobenen Kaffees“. Auf Italienisch: Caffè Sospeso. Das ist ein Kaffee, den man für einen Unbekannten ausgibt, der sich das Getränk nicht leisten kann. Auch in Deutschland gewinnt die italienische Tradition der Freigebigkeit immer mehr Anhänger.

In Hamburg-Wilhelmsburg stieß das erste Mal ich hierzulande darauf. Die Kaffeeklappe bietet auf der Speisekarte einen „wartenden Kaffee“ für einen Euro an. Das ist „eine Bowle Kaffee, die ihr für jemanden im Voraus kauft, der es sich sonst nicht leisten kann“.

Ob „wartend“ oder „aufgeschoben“, der Sospeso ist mittlerweile zu einer internationalen Bewegung des Teilens geworden. Vor knapp drei Jahren hat der Ire John Sweeney „Suspended Coffee“ gegründet. Auf der Website von Suspended Coffe können sich Cafés eintragen, die den aufgeschobenen Kaffee ermöglichen.

Aus Hamburg sind zurzeit dreizehn Cafés auf der Website des aufgeschobenen Kaffees eingetragen. Die Kaffeeklappe ist zwar nicht dort verzeichnet, aber bietet den Caffè Sospeso unabhängig davon an. In manchen kleineren Universitätsstädten, wie Marburg, Paderborn, Siegen oder Kiel, existieren regelrechte Aktivistengruppen der von Sweeney initiierten Bewegung. Auch in der Autostadt Wolfsburg gibt es bereits zehn Cafés, die den Sospeso anbieten. Möglicherweise ist die Beliebtheit des Caffè Sospeso hier auf den großen Anteil von Menschen mit italienischen Wurzeln zurückzuführen.

Das Herz der Sospeso-Tradition schlägt nämlich im Süden Italiens. Es war in Neapel, wo vor etwa 100 Jahren immer mehr Bürger für jemand anderen den Kaffee im Voraus bezahlten. Man wollte dabei mit seiner Großzügigkeit aber nicht protzen, sondern anonym und diskret bleiben. Die Gefühle des bedürftigen Empfängers dürfen nicht verletzt werden.

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Caffe sospeso

Nach jedem Sieg des Fußballklubs S.S.C. Napoli soll Aurelio di Laurentiis, Filmproduzent und Präsident des Klubs,jeweils zehn aufgeschobene Kaffees bezahlen. Di Laurentiis bringt es mit seinem Handeln auf den Punkt: Wenn man sich in Italien freut, möchte man, dass auch andere daran teilhaben können, denen es nicht so gut geht.

Weltweit nehmen sich immer mehr Menschen ein Vorbild an italienischer Großzügigkeit. Cafés von Kanada über Russland bis Australien bieten mit dem aufgeschobenen Kaffee ärmeren Menschen die Möglichkeit sich mit einem aufgeschobenen Kaffee aufzuwärmen. Dreizehn Cafés mit „wartendem Kaffee“ in einer Metropole wie Hamburg – da geht noch was. Erst recht zur Weihnachtszeit. Mein Tipp: Sprecht mal euer Stammcafé darauf an.

 


 

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Adventskaffee und Third Wave Wichteln

1 Dez , 2015,
Daniela Schulz
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„Es wird Weihnachten! Mein ganzes Haus riecht schon nach braunem Kuchen – versteht sich nach Mutters Rezept -, und ich sitze sozusagen schon seit Wochen im Scheine des Tannenbaums“, schrieb Theodor Storm (1817-1888)  bei kaltem Dezemberwetter in sein Notizheft.

Die meist trüb-grauen Adventswochen vor Weihnachten laden gerade dazu ein, es sich bei einer Tasse Kaffee zuhause gemütlich zu machen. Bei Kerzenlicht und Tannenduft begegnet man den Herausforderungen von Dunkelheit und Kälte. Gute Musik und ein Buch, wahlweise auch ein Kindle oder Ähnliches fördern die Ausgeglichenheit. Die Hauptsache aber ist exzellenter Kaffe.

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Teelicht mit Äthiopienkaffee

Mein diesjähriger Adventskaffee ist ein Single Origin aus der Region Sidama in Äthiopien, geröstet von der Hamburger Rösterei Quijote. Schon das orangefarbene  Etikett scheint die Sonne eingefangen zu haben. Die Bohnen sind für die Espressomaschine, also etwas dunkler, geröstet als für Filterkaffee. Ich brühe das Pulver in der French Press auf, denn es handelt sich hier um eine sehr leichte Espressoröstung.  Die Aromen, die nach Wald und Beeren schmecken, sind auch bei der Brühmethode gut zu erkennen. Wichtig ist natürlich, dass die Bohnen frisch gemahlen sind, wenn man den Kaffee zubereitet und das Röstdatum sollte nicht zu lange zurückliegen. Die modernen Third Wave Röster, wie etwa Quijote, geben das Röstdatum auf der Packung an.

In der Adventszeit ist auch die Third Wave-Szene in vorweihnachtlicher Aufregung. Third Wave-Wichteln ist angesagt. Es werden frisch geröstete Bohnen (Filterkaffee, kein Espresso) rund um die Welt getauscht. Das Ganze wird über die Facebookseite Third Wave Wichteln organisiert.

Es gibt aber auch noch andere Wege, zum Adventskaffee einmal einen anderen Geschmack auszuprobieren. Mit einem Kaffee-Adventskalender hat man die Möglichkeit,  24 Tage lang, täglich eine neue Sorte kennenzulernen. Einige Röster bieten schon vorgefertigte Kaffee-Adventskalender an. Vor allem zwei kleine Röstereien aus Nordrhein-Westfalen haben mit pfiffigem  Social Media Marketing auf sich aufmerksam gemacht. Da wäre zum einen die Rabenschwarz Kaffeerösterei aus Schwelm im Sauerland zu nennen und zum anderen die Sonntagmorgen Kaffeerösterei aus Münster. Der Adventskalender von letzerer wurde vom Blogger-Kollegen Arne Preuss getestet.

Natürlich bietet es sich auch an, den Kaffee-Adventskalender selbst zu fertigen. Man muss nur 24 verschiedene Sorten guten Kaffee kaufen und entsprechend in dekorative Tütchen packen.

Viel Spaß dabei und einen gemütlichen Adventskaffee!

 


 

 

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Nord Coast Coffee Roastery

6 Nov , 2015,
Daniela Schulz
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Für die meisten Deutschen ist immer noch Italien das gelobte (Kaffee-)Land. Da hat sich seit Goethe nichts geändert: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“. Für die Kulturbeflissenen: „et ego in arcadia“. Auch ich hatte in bella Italia meine erstes grandioses, Cappuccino-Erlebnis. Kein Zufall, dass dieser Blog caffepause heißt – wie „il caffè“.

“But times they are a changing”, wusste schon Pop-Opa Bob Dylan und auch beim Kaffee gibt es keinen Stillstand. Seit einigen Jahren schwappt die nordische Methode oder „the nordic approach“ über die Ostsee und über den Atlantik zu uns herüber. Bekannter als Third Wave Coffee, die dritte Kaffeewelle. Diese Welle hat auch die alt-ehrwürdige Kaffeestadt Hamburg erreicht, wo die riesigen Kaffeecontainer aus Afrika, Asien und Lateinamerika ankommen und Europa mit dem schwarzen Getränk versorgen.

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Und hier kommt Paula Mendes ins Spiel. Aus einer brasilianischen Kaffeefamilie kam sie nach Hamburg. Als Kind genoss sie den Duft von frischem, perfekt geröstetem Kaffee auf der Farm ihres Großvaters. Sie hat sozusagen Kaffee im Blut. Nach intensiven Lehrjahren hat sie sich einen Traum erfüllt und mit ihrem Partner Jörn Gorzolla die Nord Coast Coffee Roastery eröffnet.

Bei Nord Coast ist der Name Programm. Schon auf den ersten Blick sagen dir die klaren, hellen Linien der Einrichtung, dass du es hier mit Leuten zu tun hast, die es schnörkellos skandinavisch lieben. Die Vielfalt kommt dennoch nicht zu kurz.kaffeebohnen-roh-und-geröstet-third-wave-coffee

Neben Espressobohnen stehen fünf Single Origins zur Auswahl. Das sind Kaffees, die jeweils aus einer einzigen Herkunftsregion stammen, sogar nur von einer bestimmten Plantage wie etwa der San Marcos Appaece aus Guatemala.

Ein bisschen ist es, der schnöde Vergleich sei erlaubt, wie bei Subways mit den Sandwiches. Nicht nur, dass man sich zwischen fünf Kaffees entscheiden muss, du hast auch die Auswahl zwischen fünf verschiedenen Brühmethoden. Nordischer Kaffeegenuss heißt, dass man handwerklich hervorragend gerösteten Kaffee kombiniert mit einer Brühmethode oder auch als Espresso in die Tasse bekommt.

Bei meiner Bestellung entscheide ich mich für den Handfilter. Die anderen Brühmethoden – Karlsbader Kanne, Aeropress oder Syphon – probiere ich bei einem meiner nächsten „caffepausen“ aus, nehme ich mir vor.

Der San Marcos Appaece, übrigens eine Empfehlung vom Barista, stellt sich als exzellente Wahl heraus. Richtig guten Kaffee trinke ich grundsätzlich ohne Milch, weil ich so die köstlichen Aromen besser schmecken kann. Ein Qualitätsbeweis ist es, wenn der Kaffee auch abgekühlt noch aromatisch und nicht säuerlich daher kommt. Dies war hier definitiv der Fall.

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Der San Marcos ist eine Röstung von Nord Coast und hat mich von deren Rösterfähigkeiten überzeugt. Im Norden röstet man allgemein heller, das heißt aber nicht dass der Kaffee weniger stark ist als die dunklen schokoladig-bitteren Espressoröstungen des Südens. Italienfans finden dies zumindest gewöhnungsbedürftig. Seitdem ich mich aber auf das Skandinavien-Experiment eingelassen habe, kann ich sagen, dass sich meine Qualitätsmaßstäbe „eingenordet“ haben.

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Espresso- und Cappuccino-Afficionados kommen bei Nord Coast aber ebenfalls auf ihre Kosten. Überzeugend fand ich folgende Bestellung eines Kunden, der nur Bohnen kaufen wollte: „Einen vollmundigen Espresso, nicht zu sauer, ich habe nämlich Probleme mit dem Magen.“ Der Vorteil bei Röstercafés wie dem Nord Coast ist übrigens auch, dass man den Kaffee probieren kann, bevor man sich sein Viertelpfund für zuhause einpacken lässt.

 

Nord Coast Coffee Roastery, Hamburg, Deichstraße 9,  Tel. +49 40 360 934 99, Öffentliche Verkehrsmittel: U 3  Rödingsmarkt

Öffnungszeiten: Mo.  9-18 Uhr, Di.  Ruhetag, Mi. – Fr. 9-18 Uhr, Sa. – So. 10 – 18 Uhr


 

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Espresso aus der Fahrradpumpe

28 Okt , 2015,
Daniela Schulz
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Eine Fahrradpumpe als Espressobereiter? Für Outdoor-Freaks, die auf dem Campingplatz kultiviert nach den Spaghetti mit Tomatensauce einen Espresso kippen wollen?

Das ist etwas für die Wunschliste zu Weihnachten: Ein Espressobereiter für unterwegs, der wohlschmeckenden Kaffee produziert. Das Prinzip ähnelt dem einer Luftpumpe und so sieht die Handpresso auch aus. Dennoch ist sie nicht nur etwas Fahrradfahrer und Outdoor-Freaks, sondern vor allem für Menschen, die guten Espresso schätzen.

Handpresso

Handpresso

Es gibt die Handpresso Wild und die Handpresso Wild Hybrid. Bei letzterer handelt es sich um die Weiterentwicklung des Vorgängermodells „Wild“. Beim älteren Modell müssen Espressoliebhaber Espresso-Pads dabei haben. Beim neueren Modell „Wild Hybrid“ kommt gemahlener Kaffee in den Siebeinsatz. Oft wird er „Domepod“ genannt. Perfektionisten haben zusätzlich einen Tamper dabei. Das mitgelieferte Sieb hat allerdings nicht den Standarddurchmesser. Handpresso bietet den passenden Tamper in seinem Zubehörprogramm an. Er muss oder kann dazugekauft werden.

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Barometer

Nach dem Einfüllen des Kaffeepulvers pumpt man einen Druck von 16 Bar in die Druckkammer. Das ist tatsächlich wie bei einer Fahrradpumpe. Heißes Wasser wird eingefüllt und nun setzt man das mit Espressomehl bestückte Kaffeesieb oben drauf. Auf den Knopf drücken und das Wasser wird unter hohem Druck durch das Espressopulver gepresst. Am besten über eine vorgewärmte Tasse halten und den Espresso in das Gefäß träufeln lassen. Ich habe es selbst probiert: Das Gebräu hat eine ausgeprägte Crema und durchaus vollen Geschmack.

Die Handpresso ist für unterwegs bestens geeignet. Das benötigte heiße Wasser kann man sich in einer Thermoskanne mitnehmen, es sollte aber auf jeden Fall noch über 90 Grad haben.

Ob auf dem Campingplatz oder in Seminarräumen ohne vernünftige Espressomaschine. Mit der Handpresso ist guter Espresso auch dort möglich, wo man von der Kaffeezivilisation abgeschnitten ist: In der freien Wildbahn ebenso wie an Autobahnraststätten. Und schließlich stellt sie auch die Lösung für das individuelle Kaffeeproblem auf Workshops dar, wo die Fünfliter-Thermoskanne immer noch als das Non plus Ultra der Kaffeegrundversorgung betrachtet wird.

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Espresso mit Crema

Im Übrigen ist die Handpresso der absolute Hingucker. Es ergeben sich damit oft interessante Gespräche und neue Kontakte. Für Mutige auch als Networking-Tool zu empfehlen.

Handpresso gibt’s bei Globetrotter und diversen Onlineshops wie Coffee Circle oder Moema. Bei Moema kann man wählen zwischen der Luxusvariante im edlen Köfferchen für 139 Euro oder der pragmatisch einfachen Version im Beutel für 85,90 Euro. Auf jeden Fall lohnt es sich die Preise zu vergleichen. Je nach dem, welchen Standard man haben möchte, kann der Unterschied schon mal schlappe 50 Euro betragen. Zudem gibt es noch einiges an Zubehör. Aber es ist ja bald Weihnachten. Wohl bekomm’s.


 

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Espressobar Juwelier

22 Sep , 2015,
Daniela Schulz
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Freunde des italienischen Kaffees sind hier richtig. Die Espressobar „Juwelier“ bietet die Klassiker Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato handwerklich gut zubereitet und schmackhaft.

Ich gehe gerne in das kleine gemütliche Café zum Frühstücken. Es gibt herzhafte Vollkornsandwiches vegetarisch und vegan sowie mit Putenschinken. Aber auch Croissants und Kuchen sind im Angebot. Der Service ist freundlich und entspannt.  Der Laden ist wohl auch deshalb ein beliebter Treffpunkt der Nachbarschaft. Das Preis-Leistungsverhältnis ist trotz der Lage sehr in Ordnung.

Die Inhaberin Katja Dietrich hat die Espressobar 2000 in einem früheren Goldschmiedeladen in der damals von kleinen Handwerkern geprägten Weidenallee eröffnet.Die Einrichtung ist klassisch-nostalgisch gehalten mit einer prominent platzierten alten Waage und Lebensmittelregalen wie zu Großmutters Zeiten.

Mittags gibt es eine Speisekarte mit Kleinigkeiten. Man kann dort aber auch Pasta, Nudelsauce, Öl und Gewürze zum selber Kochen einkaufen.

Mitten im alternativ-bürgerlichen Eimsbüttel gelegen, befindet sich das Café nicht weit vom hippen Schanzenviertel. In die ehemaligen Ladengeschäfte der Handwerker sind in den letzten Jahren immer mehr alternativ-schicke Boutiquen für Mode, Geschenke und edlen Hausrat eingezogen.

Gleich neben dem Café, in Nummer 27,  befindet sich übrigens das Speiserestaurant „Juwelier“, das Katja Dietrich zusammen mit dem Koch Lutz Bornhöft leitet.

Adresse: Weidenallee 29, Hamburg-Eimsbüttel, Tel. 040 / 431 900 73

Öffentliche Verkehrsmittel: U 2 bis Christuskirche oder Schlump, Bus M 15 bis Sternschanze

 


 

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Kaffeeklappe

17 Sep , 2015,
Daniela Schulz
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Es wird wieder Zeit, sich eine wärmende Kaffeestube zu suchen. Wer in Hamburg-Wilhelmsburg unterwegs ist, dem kann ich die Kaffeeklappe nur wärmstens empfehlen.

In entspannter Atmosphäre kann man hier seinen Cappuccino oder auch Filtercafé genießen, von denen sie zwei Sorten im Angebot haben: Einen  Kenia Pearl mit einem kräftigem, leicht schokoladigen Aroma oder einen säurearmen Maragogype, bekannt auch als „Elefantenbohne“ wegen der überdurchschnittlichen Größe der Bohne.

Auf der Speisekarte findet man warme und kalte Gerichte und auch sehr leckeren Kuchen zu vernünftigen Preisen. Die Kaffeeklappe sieht sich in der Tradition der Hafenarbeiterkantinen. Aus einem Laden (Klappe) heraus wurden heiße Getränke und Suppen verkauft, um die Hafenarbeiter besser zu ernähren. Zusätzlich sollte das Proletariat vom Alkohol abgehalten werden.

Ein Einrichtungsdetail bezieht sich tatsächlich auf den Hafen. An der Wand neben dem Schaufenster lehnt das letzte Stück Zollzaun, mit dem das zollfreie Gebiet des alten Freihafens abgesperrt war. Bürgermeister Olaf Scholz soll es im Januar 2013 in einem symbolischen Akt höchstpersönlich abgebaut haben.

Die moderne Kaffeeklappe organisiert auch Kulturevents wie Musikabende und engagiert sich für nachhaltigen Konsum. Über die Veranstaltungen am besten über die Facebook-Seite der Kaffeeklappe informieren

Kaffeeklappe, Fährstraße 69 in Wilhelmsburg, Di. bis Fr. 8 bis 20 Uhr, Sa. und So. 10 bis 20 Uhr, Montag ist Ruhetag.


 

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Roasting Challenge

11 Sep , 2015,
Daniela Schulz
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Auf dem Berlin Coffeefestival gab es einen kleinen, aber feinen, Rösterwettbewerb – einen sogenannten Roasting Challenge. Die Auswertung fand aber in Hamburg statt, and the winner is … 

Die Herausforderer kamen aus München, Frankfurt am Main, Potsdam und Hamburg und sie trafen sich am ersten Septemberwochenende in Berlin. Jeder hatte eine bestimmte ihm oder ihr völlig unbekannte Bohnensorte zu rösten. Eine Woche später steht das Ergebnis fest. Die Sache wurde schließlich zwischen München und Hamburg entschieden.

Das Publikum, das zum Blind-Cupping in die Hamburger Black Delight Rösterei nach Hamburg-Altona kam, bestimmte zwei Gewinner. Die Begründung war einigermaßen kurios, aber typisch für die neue Szene der Kaffeegourmets. Zunächst lag Supremo Kaffee aus München vorne. Das war als das Kaffeepulver frisch aufgegossen war und das Getränk noch heiß und dampfend.

Einige Zeit später und nach einigem Hin und Her, der Kaffee war inzwischen abgekühlt, fanden die Kaffeeverkoster plötzlich die Röstung von Black Delight-Chef Michael Mrozek überzeugender. Anscheinend braucht der Kaffee aus dem hohen Norden ein bisschen Anlaufzeit, schmeckt dafür aber umso nachhaltiger. Während die feurigen Südländer aus München unschlagbar beim ersten Eindruck sind. Damit wären dann die Klischees alle erfüllt.

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Nichtsdestotrotz haben beide hervorragende Röstergebnisse im Challenge erzielt. Und es liegt am einzelnen Kaffeetrinker, welche Nuance er bevorzugt. Weitere Teilnehmer am Roasting Challenge waren Playground Coffee, ebenfalls aus Hamburg, Hoppenworth & Ploch aus Frankfurt und Buena Vida aus Potsdam. Auch sie brauchten sich nicht zu verstecken.

Hoppenwort & Ploch war beim großen offenen Cupping in der Rösthalle mit einigen Kreationen vertreten, die durch ihre feine Blumigkeit auffielen. Großen Applaus fanden die Röstungen von Machhörndl aus Nürnberg. Der persönliche Favorit der caffepause war hier der Geisha Trapiche aus Panama mit seinem beerigen Aroma und einem leichten Duft, der an Melone erinnert. Den Melonenduft habe ich, um ehrlich zu sein, nur beim trockenen Pulver wahrnehmen können. Der gebrühte Kaffee hatte das beerige Aroma der Geisha Kaffees.

Zu verdanken hatten wir die Veranstaltung dem Experten für Third Wave Kaffe René Krüger alias @bosch. Da er die vielen Kaffeemitbringsel aus Berlin nicht alle zuhause selber trinken wollte, organisierte er kurzerhand das spontane öffentliche Cupping zusammen mit Black Delight.

Espresso Tonic

Espresso mit Tonic

21 Aug , 2015,
Daniela Schulz

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Im vergangenen Sommer war Black Tonic der Sommerdrink in New Yorker Cafés und Bars. Mittlerweile ist er als Espresso Tonic über den Atlantik rübergeschwappt. Man trinkt ihn jetzt auch zwischen Hamburg und Budapest.

Das Grundrezept ist ein Shot Espresso auf zwei großen Eiswürfeln mit Tonic. Beim selber Zubereiten achtet bitte darauf, ein Tonicwasser mit nicht zu hohem Zuckeranteil zu verwenden. Zu viel Zucker zerstört den ausgewogenen Geschmack zwischen herbbitter und Süße. Daher auch nur einen Schuss Tonic nehem und nicht die ganze Flasche für einen Espresso. Am besten erst einmal mit wenig Tonic ausprobieren.

Der bittersüße Tonicgeschmack harmoniert ausgezeichnet mit dem klaren, bitteren Espresso. Oliver Strand, Kaffeekritiker bei der New York Times, erinnert das Getränk an  einen „edlen Fernet Branca auf Soda, den man nachmittags in Buenos Aires trinkt“.

Das Kribbeln der Kohlensäure auf der Zunge zusammen mit den Eiswürfeln ergeben einen tollen erfrischenden Genuss, der schon beinahe in Richtung Long Drink geht. Ein perfekter Nachmittagsdrink nicht nur in Buenos Aires oder New York.

Kaffe Tonic in San Francisco

Auch wenn die New Yorker gerne über die Entspanntheit der Westküste lästern, das Rezept kommt laut Strand aus San Francisco und dort ursprünglich aus der Saint Frank Coffee Bar im Stadtteil Russian Hill. Der Besitzer von Saint Frank’s habe sich bei dem Rezept allerdings wiederum von der Kaffeebar des Mikrorösters Koppi in Helsingborg/Schweden inspirieren lassen, will Strand wissen. Daher komme auch der Name Kaffe Tonic unter dem es den Espressodrink in San Francisco gibt.

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Black Delight Hamburg-Eimsbüttel

In Deutschland wurde mir der Espresso Tonic das erste Mal in Hamburg serviert – im Café des Mikrorösters Black Delight. Man erhält das Getränk vorwiegend in den Cafés, die sich der Third Wave of Coffee verschrieben haben, also vor allem bei Mikroröstern.