Monatsarchiv: August 2015

Espresso Tonic

Espresso mit Tonic

21 Aug , 2015,
Daniela Schulz

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Im vergangenen Sommer war Black Tonic der Sommerdrink in New Yorker Cafés und Bars. Mittlerweile ist er als Espresso Tonic über den Atlantik rübergeschwappt. Man trinkt ihn jetzt auch zwischen Hamburg und Budapest.

Das Grundrezept ist ein Shot Espresso auf zwei großen Eiswürfeln mit Tonic. Beim selber Zubereiten achtet bitte darauf, ein Tonicwasser mit nicht zu hohem Zuckeranteil zu verwenden. Zu viel Zucker zerstört den ausgewogenen Geschmack zwischen herbbitter und Süße. Daher auch nur einen Schuss Tonic nehem und nicht die ganze Flasche für einen Espresso. Am besten erst einmal mit wenig Tonic ausprobieren.

Der bittersüße Tonicgeschmack harmoniert ausgezeichnet mit dem klaren, bitteren Espresso. Oliver Strand, Kaffeekritiker bei der New York Times, erinnert das Getränk an  einen „edlen Fernet Branca auf Soda, den man nachmittags in Buenos Aires trinkt“.

Das Kribbeln der Kohlensäure auf der Zunge zusammen mit den Eiswürfeln ergeben einen tollen erfrischenden Genuss, der schon beinahe in Richtung Long Drink geht. Ein perfekter Nachmittagsdrink nicht nur in Buenos Aires oder New York.

Kaffe Tonic in San Francisco

Auch wenn die New Yorker gerne über die Entspanntheit der Westküste lästern, das Rezept kommt laut Strand aus San Francisco und dort ursprünglich aus der Saint Frank Coffee Bar im Stadtteil Russian Hill. Der Besitzer von Saint Frank’s habe sich bei dem Rezept allerdings wiederum von der Kaffeebar des Mikrorösters Koppi in Helsingborg/Schweden inspirieren lassen, will Strand wissen. Daher komme auch der Name Kaffe Tonic unter dem es den Espressodrink in San Francisco gibt.

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Black Delight Hamburg-Eimsbüttel

In Deutschland wurde mir der Espresso Tonic das erste Mal in Hamburg serviert – im Café des Mikrorösters Black Delight. Man erhält das Getränk vorwiegend in den Cafés, die sich der Third Wave of Coffee verschrieben haben, also vor allem bei Mikroröstern.


gegen-regenwetter-hilft-kaffee

Kaffee bei Schietwetter

19 Aug , 2015,
Daniela Schulz
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Ich habe jetzt eine zuverlässige Lieblingskaffeebar. Wenn es regnet, und das tut es in Hamburg häufig, frage ich den Barista, was er mir denn heute empfiehlt.

Gestern war wieder so ein Tag: Regen – von früh bis spät. João kommt aus Portugal und ist der Kaffeemeister bei Black Delight. João sagte gestern, „was Heißes“. Und ich war einverstanden. Wir mussten uns nur noch über Kaffeesorte und Zubereitung einigen. Das überließ ich vertrauensvoll wiederum João. Er beschloss, dass Filterkaffee das beste für mich sei und kredenzte mir einen Workye Shallo aus Äthiopien.

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Der Workye Shallo kommt nicht nur aus einer bestimmten Region Äthiopiens, des Ur-Landes der Kaffeebohne, sondern man kann ihn bis zur Farm zurückverfolgen, wo er herkommt. Workye Shallo ist die Kooperative, von der der Kaffee stammt.  Ähnlich wie beim Wein, wo die Herkunftsangabe schon lange üblich ist, versuchen Kenner das Prinzip auch bei Kaffee einzuführen.

Der Workye Shallo schmeckt fruchtig nach roten Beeren. Bei einem Kaffee mit solch einem feinen Eigengeschmack braucht es keine Milch. Im Gegenteil, Milch würde den Geschmack vollkommen ruinieren. Im Black Delight gibt es keine Porzellankännchen. In gläsernen Karaffen kann man die klare, hellbraune Farbe des Naturgetränks bewundern und genießen.

Der Workye Shallo wurde unter der afrikanischen Sonne getrocknet und ist daher genau das richtige  Gegengewicht für Hamburger Schietwetter.

Adresse: Black Delight, Hamburg, Eppendorfer Weg 67


 

fleckenmusang

Katzenkaffee Kopi Luwak

12 Aug , 2015,
Daniela Schulz
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Immer wieder wurde ich gefragt, wann ich endlich einen Artikel über den berühmten Kopi Luwak, vulgo Katzenkaffee, schreibe. Lange habe ich gezögert, weil ich fürchtete, die Thematik würde einen Blogpost sprengen.

Nun zu den Fakten: Dieser Kaffee ist nichts für Veganer und nur begrenzt etwas für Tierfreunde. Kopi steht in Indonesien für Kaffee. Der Luwak ist trotz seines kuscheligen Fells keine Katze, sondern ein Fleckenmusang, ein affenähnliches Tier, das gerne für sich bleibt und sich abwechslungsreich ernährt. Daher der Name Kopi Luwak. Seitdem man mit seinen Exkrementen, in denen sich Kaffeebohnen befinden, sehr viel Geld machen kann, ist es um seinen ursprünglichen Lebensstil geschehen. Geldgierige Menschen sperren das scheue Tier in enge Käfige mit anderen Artgenossen. Der Luwak, der eine abwechslungsreiche Diät aus  Früchten, Insekten, Würmern und Vogeleiern liebt, wird in der Gefangenschaft mit Kaffeekirschen gemästet.Keine geeignete Nahrung für einen Allesfresser. In den Kirschen befinden sich die späteren Kaffeebohnen, sie werden nach dem Verdauungsprozess augeschieden. Man nennt das dann natürliche Fermentierung.

hauskaninchen

Hauskaninchen Nicky und Pascal

Als wir unsere Zwergkaninchen Nicky und Pascal aus dem Tierheim holten, wurde uns von den Mitarbeitern eingeschärft, sie ja nicht einseitig zu ernähren und ihnen genug Platz zu lassen. Man stelle sich vor, ich würde Nicky und Pascal ausschließlich mit Kaffeekirschen mästen. Sie würden es nicht lange überleben und die Tierschützer würden mir obendrein die Höllei heiß machen und mir die Polizei ins Haus schicken.

Nun leben die Luwaks nicht in Deutschland, sondern in Indonesien. Das ist weit genug weg, um nicht allzu genau hinzuschauen. Der größte Teil des gehandelten Kopi Luwak stammt von von Tieren aus Gefangenschaft, sprich Massentierhaltung. Manchmal sind es mittlerweile auch keine Luwaks mehr, sondern das Fachmagazin Crema schreibt, dass auch Schweine manchmal in den zweifelhaften Genuss der Kaffeekirschen kommen.

Wie kam es überhaupt zu dem Hype um den Kopi Luwak? Luwaks scheinen tatsächlich auf den Geschmack der reifen Kaffeefrüchte gekommen zu sein. Ähnlich wie die Ziegen in Afrika. Zur Erntezeit räuberten sie in den Kaffeefeldern und die Kaffeebauern fanden einen Teil der geraubten Ernte im Urwald wieder, wo die Luwaks ihre Ausscheidungen hinterließen.

„Gesäubert und gewaschen bekamen die durch den Tierdarm vorfermentierten Kaffeebohnen einen einzigartigen und hochgelobten Geschmack. Weil diese Bohnen ein Produkt aus der Wildnis waren und daher schwer zu ernten (…) war der Kopi Luwak zunächst keine Handelsware, sondern lediglich eine interessante Kaffeekuriosität“, schrieb der Kopi-Luwak-Entdecker Tony Wild in seinem Gastbeitrag für den britischen „The Guardian“. Wild nahm ein Kilogramm Rohkaffee mit nach Nordengland und erzählte einigen regionalen Medien in Yorkshire von der Kaffebesonderheit. Daraus entwickelte sich, so jedenfalls Wild, eine nicht mehr zu steuernde Woge des Interesses weltweit. Der „Katzenkaffee“ hat den Kaffeehändler Wild berühmt gemacht. Über den Guardian gab er vor zwei Jahren bekannt, dass er es war, der diese Welle anstieß und dass ihm das nun leid tue. Er möchte das Ganze am liebsten wieder stoppen.

Aber das Ganze ist nicht mehr zu stoppen. Bei einem Kilopreis von über 400 Euro sind die Gewinnmargen und damit die Gier einfach zu groß, als dass sich diese Tierquälerei einfach von heute auf morgen rückgängig machen ließe. Immerhin haben sich die europäischen und amerikanischen Spezialitätenkaffeeverbände SCAE und SCAA eindeutig gegen Kopi Luwak ausgesprochen und es laufen diverse Kampagnen gegen diese Art von Tierquälerei.

Zum Schluss noch etwas zum Geschmack. Aus Neugier und damaliger Unwissenheit habe auch ich schon mal einen Kopi Luwak im Café bestellt. Ich hatte kein besonderes Erweckungserlebnis hinsichtlich des Geschmacks. Wer guten Kaffee sucht, der hat genügend Auswahl und braucht keinen Kopi Luwak. Es sei denn er oder sie möchte sein/ihr dickes Konto herausstellen.

 

aethiopischer-kaffee-hat-leichte-Teenote-und schmeckt-Teetrinkern

Kaffee für Teetrinker

3 Aug , 2015,
Daniela Schulz

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Ich gebe es zu: Ich bin Teetrinkerin. Der Morgen muss mit grünem Tee beginnen. Erst danach fühle ich mich startklar für den Tag. Ausnahmen gehen nur in Italien, wo ich mich kaffeemäßg zuhause fühle und zu Kompromissen bereit bin. Bei meiner ersten Blind-Kaffeeverkostung in der Speicherstadt Kaffeerösterei habe ich unter acht verschiedenen Kaffees den äthiopischen Sidamo auf Platz 1 meiner Favoritenliste gesetzt. Ich mag sein mildes und leichtes Aroma. Die Leiterin der Verkostung war denn auch begeistert als sie von meinem Faible für grünen Tee und meinem Schreiben Kaffeeblog erfuhr. „Das passt ja“, war denn ihr schmunzelnd-lakonischer Kommentar.

Der Sidamo Shakiso ist ein Bio-Kaffee aus Äthiopien. Auf 1.800 bis 2.000 Meter Höhe wird er in der Provinz Oromia, Guji-Zone, von Kooperativen angebaut. Äthiopien ist das Heimatland der Kaffeepflanze und Handlungsort der bekanntesten Kaffeesage. Kein Wunder also, dass der Sidamo Shakiso zu den ursprünglichen, alten Kaffeevarietäten zählt. Beim Kaffee ist eine Varietät eine Unterart der Gattung, also der Coffea Arabica. Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, dem empfehle ich, einmal die Kaffeenetz Community aufzusuchen.

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Sidamo Shakiso-Bohnen, geröstet

Der Sidamo hat nur eine ganz leichte Säure mit zitronigem Aroma. Die kleinen Bohnen verströmen dabei einen leicht schokoladigen Duft. Beim Öffnen der Kaffeeverpackung riecht man ihn am intensivsten. Von den Kaffeefachleuten wird sein Aroma in Richtung Kastanie, Muskat und Bergamotte eingeordnet. Ehrlich gesagt, ich habe bei meiner kleinen Privatverkostung davon vielleicht ein bisschen von Bergamotte erschmeckt. Das Bergamotte-Aroma war aber in einer dickwandigen Tasse eher zu schmecken als in einer klassischen dünnwandigen.

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Robuste dickwandige Kaffeetasse von Kahla

Wegen seiner frühlingshaften, blumigen Aromen eignet sich der Sidamo als Filterkaffee sowie auch für die French Press. Bei Papierfiltern sollte man aber darauf achten, dass man eine Sorte mit wenig Eigengeschmack erwischt, sonst kann der Papierfilter den Kaffeegenuss beeinträchtigen.

Ich trinke den Sidamo am liebsten als leichten Nachmittagskaffee schwarz, zum Genuss und um noch einmal einen Wach-Kick zu bekommen. Milch würde die Aromenvielfalt des Sidamo überlagern. Für  Milchkaffee sind andere Kaffeesorten geeigneter. Der Sidamo Shakiso ist in der Tat ein besonderer Kaffee, die sich auf seine Aromavielfalt einlassen wollen. Wer als Teetrinker seine Geschmacksnerven geschult hat, dem fällt das vielleicht ein wenig leichter.