Monatsarchiv: April 2015

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Cappuccino nur bis elf?

29 Apr , 2015,
Daniela Schulz
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Mein erster Cappuccino – das war Anfang der 1980er in Rimini in einem kleinen Café. Ein kleiner Laden mit einer chromblitzenden Kaffeemaschine. Ich saß mit Muttern draußen „a la Terrazza“. Auf den gewohnten Filterkaffee, mit denen manche Touristencafés warben, hatte sie mir zu Liebe verzichtet. Wir hatten Urlaub und genossen den Nachmittagskaffee. Eine kleine dickwandige Porzellantasse, in der kräftiger Espresso mit einer etwa fingerdicken Schicht Milchschaum dampfte.

Besonders italienisch war unser Ritual trotzdem nicht. Cappuccino ist in Italien ein typisches Frühstücksgetränk. Ihn am späten Nachmittag oder gar am Abend zu genießen, gilt unter Italienern sogar als Verstoß gegen die guten Sitten. Touristen wird die Stillosigkeit offenbar verziehen. Vom kulturellen Standpunkt aus betrachtet man den Cappuccino-Hype nördlich der Alpen dennoch mit einer Mischung aus Resignation und Abscheu. Cappuccino ist „das beliebteste und gleichzeitig das am meisten missbrauchte italienische Getränk im Ausland“, schreibt die Mailänder Food-Journalistin Margo Schachter in einem Blog-Beitrag.

Cappuccino ist eine Farbe

Ich setze mich über solche Vorbehalte zumindest außerhalb Italiens hinweg und genieße auch nach elf Uhr morgens meinen „kleinen Kapuziner“, wie Cappuccino übersetzt heißt. Ein weit verbreiteter Irrtum ist es, dass die Haube oder Kapuze aus Milchschaum für den Namen verantwortlich ist. Tatsächlich ist es der bräunliche Ton im Milchschaum, der an die Farbe der Mönchskutten des Kapuzinerordens erinnert. So heißt eine österreichische Kaffeespezialität auch heute noch Kapuziner – ein Espresso mit ein paar Tropfen Kaffeesahne darauf oder wie man in Österreich sagt, „Kaffeeobers“.

Der heute für alle Welt typische italienische Cappuccino existiert erst seit den 1930er Jahren. Vermutlich beförderte die Fortentwicklung der Espressomaschine die Art der Cappuccino-Zubereitung, wie wir sie heute kennen. So hat Achille Gaggia 1938 ein Patent für eine neuartige Technik der Espressoherstellung eingereicht. Sie gilt als Ursprung der modernen Espressomaschine. Darauf aufbauend gab es Jahrzehnt für Jahrzehnt Weiterentwicklungen von Herstellern wie Faema, Cimbale, Illy und anderen.

Mittlerweile ist es schick geworden, Muster aus Herzen und Blumen mit dem Milchschaum zu kreieren. Über die sogenannte Latte Art erfahren Sie demnächst mehr in der caffepause.

 

 


 

Foto: Rod Waddington from Kergunyah, Australia

Ziegen und Kaffee

22 Apr , 2015,
Daniela Schulz
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Nachtaktive Menschen bevorzugen bekanntlich Kaffee. Krankenpfleger, Krankenhausärztinnen, Lokführer, Gute-Laune-Moderatoren diverser Morning Shows kämen ohne Kaffee kaum über die Runden.

Zu verdanken haben diese Berufsgruppen und wir Kaffeeliebhaber das segensreiche Gebräu einigen nachtaktiven Tieren. So jedenfalls will es eine uralte Legende wissen. Ziegen im äthiopischen Hochland sollen die belebende Wirkung des Koffeins als erste entdeckt haben. Seltsame Vorstellung: Ohne eine Herde afrikanischer Ziegen gäbe es weder Kaffeebars noch cremigen Cappuccino!

Äthiopien – Urheimat des Kaffees

Stellen Sie sich einmal vor: Ein bewaldetes Hochplateau in Äthiopien. Nachts wird ein junger Ziegenhirte immer wieder vom Gemecker seiner Tiere aufgeschreckt. Die meisten Ziegen schlafen, aber einige werden nicht müde und springen immer wieder aufgekratzt umher. Der junge Ziegenhirt wird um seine Nachtruhe gebracht und beobachtet, wie die schlaflosen Ziegen immer wieder an den Zweigen eines kleinen Baumes naschen. Am nächsten Tag reisst der Junge einige Zweige von dem Strauch ab und bringt sie dem Abt des nahe gelegenen Klosters.

Der Junge berichtet ihm von den schlaflosen Ziegen. Schließlich wagt der Geistliche den Selbstversuch und kocht aus den Blättern eine Art Kaffeesud auf. Am Abend vor der Gebetsstunde trinkt er das Gebräu. Dieses Mal bleibt der Abt hellwach bis zum letzten Vers seines Gebets.

Der erste Röstkaffee aus dem Jemen

Die ersten schriftlichen Quellen über den Wachmacher aus Ostafrika stammen übrigens von arabischen Mönchen aus einem jemenitischen Kloster im 14. Jahrhundert. Sie waren schon einen Schritt weiter und bereiteten einen Aufguss aus den gerösteten Früchten des Kaffeebaums zu. Der Grund für den Kaffeedurst war damals schon, die Arbeitsstunden in den Abend auszudehnen.

Vom Jemen aus erreichte der Wundertrank Ägypten und schließlich das Osmanische Reich. Das Heer des Sultans war ebenfalls auf die Kraft der Kaffeebohne angewiesen. Als die Osmanen im 17. Jahrhundert lange und erfolglos Wien belagert hatten, ließen sie beim überstürzten Rückzug ließen mehrere Kaffeesäcke zurück. Angeblich hat ein österreichischer Spion namens Georg Franz Kolschitzky die Kaffeesäcke gefunden und das erste Wiener Kaffeehaus damit begründet. Seitdem gilt Kolschitzky  als Schutzpatron der Wiener Kaffeehäuser.

Foto: Rod Waddington (from Kergunyah, Australia); Lizenz: Creative Commons

Titel: Male Walia Ibex in the Fog, Simien Mountains, Ethopia

 


 

Paavo Py.

Kaffeefestival in Helsinki

16 Apr , 2015,
Daniela Schulz
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Die nordischen Freunde des Kaffees feierten drei Tage lang (20.- 22. März) das erste finnische Kaffeefestival.  Als Weltmeister im Kaffeetrinken rockten etwa 3.000 Menschen  drei Tage lang die Kattilahalli, ein altes Kesselhaus im im neu designten Stadtteil Kalasatama.Die angesagtesten finnischen Cafés und die besten Baristas des Landes organisierten eine wahre Leistungsschau der finnischen Kaffeeszene unterstützt von der Musik- und Kulturszene.

Kaffee-Amateure holten sich auf dem Festival Tipps, wie sie zu Hause ihr Lieblingsgetränk in Baristamanier zubereiten können. Die Besucher bekamen Antworten auf viele Fragen, vielleicht auch auf Fragen, die sie sich vorher noch nie gestellt hatten: Wie unterscheide ich guten von schlechtem Kaffee? Trotz teurem Equipment und bei aller Sorgfalt ist dabei natürlich zu allererst die Qualität des Rohstoffes Voraussetzung für die Freude am Genuss.  Kaffees aus den unterschiedlichen Anbaugebieten haben jeweils ihren eigenen Geschmack. Dies konnten die Festivalgäste selber beim Cupping erschmecken. Aber auch die Anbaumethoden sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen auf den Kaffeeplantagen interessiert die neue Generation der Kaffeetrinker.

Neue kleine Röstereien

Die finnische Kaffeekultur geht, wie in vielen westlichen Ländern, in eine ganz neue Richtung. Etliche neue Kaffeeröstereien haben sich in den letzten Jahren gegründet und dieser Trend setzt sich weiter fort, betonte Maija Kestilä, eine der Organisatorinnen des Kaffeespektakels.

Das wichtigste Thema auf dem Festival war schließlich die Qualität des schwarzen Getränks. „Beteiligt euch an der Kaffeerevolution“, forderten die Veranstalter. Für die Konsumenten heißt das: „Verlangt nach Qualität!“

Zum krönenden Abschluss richtete die finnische Abteilung der Speciality Coffee Association of Europe (SCAE) den Wettbewerb im Cup Tasting aus. Den Barista-Wettbewerb gewann Kalle Freese. Damit wird er Finnland im April bei der Barista-Weltmeisterschaft in Seattle vertreten. Mikaela Wallgren holte den Brewers Cup und Panu Reinikainen bewies die besten Geschmacksnerven beim Cup Tasting. Wallgren und Reinikainen werden für Finnland im schwedischen Göteborg bei den Weltmeisterschaften im Juni antreten.

Und 2016 wird es wieder ein Helsinki Coffee Festival geben, versprach Maija Kestilä.

 Titelfoto: Paavo Pykäläinen

 


 

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Osterkaffee

5 Apr , 2015,
Daniela Schulz
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Mittlerweile bieten einige Röstereien speziellen Osterkaffee an. Beim Genuss von Kaffee halte ich es mit Alexandre Dumas, dem Autor von Historien-Bestsellern wie Der Graf von Monte Christo. Sein Statement zum Kaffeegenuss lautet: „Drei Dinge gehören zu einem guten Kaffee, erstens Kaffee, zweitens Kaffee, und drittens nochmals Kaffee.“

Eine leckere Tasse Kaffee ohne großen Aufwand herstellen mit der French Press. Ob mit oder ohne Milch ist Geschmackssache. Ein qualitativ hochwertiger Kaffee schmeckt auch ohne Milch und Zucker – sozusagen pur. Und wenn man sich vom Osterfeuer und den Osterbesuchen erholen möchte, kann man in einer ruhigen Kaffeestunde einmal wieder den alten Grafen von Monte Christo aus dem Bücherregal holen.